Landschaft
unknownWie zuletzt, in einem Augenblick aufgehäuft aus Hängen, Häusern, Stücken alter Himmel und zerbrochnen Brücken, und von drüben her, wie vom Geschick, von dem Sonnenuntergang getroffen, angeschuldigt, aufgerissen, offen - ginge dort die Ortschaft tragisch aus:
fiele nicht auf einmal in das Wunde, drin zerfließend, aus der nächsten Stunde jener Tropfen kühlen Blaus, der die Nacht schon in den Abend mischt, so daß das von ferne Angefachte sachte, wie erlöst, erlischt.
Ruhig sind die Tore und die Bogen, durchsichtige Wolken wogen über blassen Häuserreihn die schon Dunkel in sich eingesogen; aber plötzlich ist vom Mond ein Schein durchgeglitten, licht, als hätte ein Erzengel irgendwo sein Schwert gezogen.
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Interpretation
Das Gedicht "Landschaft" von Rainer Maria Rilke beschreibt eine dramatische Szene, die sich in einem Dorf oder einer Ortschaft abspielt. Die Landschaft wird als eine Ansammlung verschiedener Elemente dargestellt, wie Hänge, Häuser, alte Himmel und zerbrochene Brücken. Der Sonnenuntergang trifft auf diese Szene und verleiht ihr eine tragische Atmosphäre. In der zweiten Strophe wird die Gefahr eines tragischen Ausgangs für das Dorf angedeutet. Doch plötzlich erscheint ein Tropfen kühlen Blaus, der die Nacht in den Abend mischt und die Szene sanft erlöst. Die Tore und Bögen sind ruhig, und durchsichtige Wolken ziehen über die blassen Häuserreihen, die bereits Dunkelheit in sich aufgenommen haben. In der letzten Strophe wird die Stimmung durch das plötzliche Auftauchen des Mondlichts verändert. Es gleitet durch die Szene und erinnert an das Schwert eines Erzengels. Dieser himmlische Einfluss bringt eine neue Dynamik und einen Hauch von Hoffnung in die zuvor düstere Atmosphäre.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- ginge dort die Ortschaft tragisch aus
- Metapher
- als hätte ein Erzengel irgendwo sein Schwert gezogen
- Personifikation
- die schon Dunkel in sich eingesogen