Lampe und Spiegel
1883“Sie faule, verbummelte Schlampe!” sagte der Spiegel zur Lampe. “Sie altes, schmieriges Scherbenstück!” gab die Lampe dem Spiegel zurück. Der Spiegel in seiner Erbitterung bekam einen ganz gewaltigen Sprung. Der zornigen Lampe verging die Puste: Sie fauchte, rauchte, schwelte und ruste. Das Stubenmädchen ließ beide in Ruhe und doch - man schob ihr die Schuld in die Schuhe.
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Interpretation
Das Gedicht "Lampe und Spiegel" von Joachim Ringelnatz handelt von einem Streit zwischen einer Lampe und einem Spiegel. Der Spiegel beschimpft die Lampe als faul und verbummelt, während die Lampe den Spiegel als altes und schmieriges Scherbenstück beleidigt. Der Streit eskaliert, als der Spiegel einen Sprung bekommt und die Lampe Rauch entwickelt. Beide Geräte geraten in Rage und werden letztendlich vom Stubenmädchen ignoriert. Doch obwohl das Mädchen nichts mit dem Streit zu tun hatte, wird ihr die Schuld in die Schuhe geschoben. Die Beziehung zwischen der Lampe und dem Spiegel wird als feindselig dargestellt. Der Spiegel bezeichnet die Lampe als faul und verbummelt, was darauf hindeutet, dass die Lampe nicht ihren Zweck erfüllt. Die Lampe revanchiert sich, indem sie den Spiegel als altes und schmieriges Scherbenstück beschimpft. Der Streit eskaliert, als der Spiegel einen Sprung bekommt und die Lampe Rauch entwickelt. Beide Geräte geraten in Rage und werden letztendlich vom Stubenmädchen ignoriert. Das Gedicht endet mit einer überraschenden Wendung. Obwohl das Stubenmädchen nichts mit dem Streit zu tun hatte, wird ihr die Schuld in die Schuhe geschoben. Dies deutet darauf hin, dass die Lampe und der Spiegel sich gegenseitig die Schuld für ihren Streit geben und das Mädchen als Sündenbock benutzen. Das Gedicht zeigt, wie leicht Konflikte entstehen können und wie schnell die Schuld auf andere übertragen wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Die Wiederholung des 's'-Lautes in 'Sie faule, verbummelte Schlampe!'
- Hyperbel
- Der Spiegel bekommt einen 'ganz gewaltigen Sprung' aus Erbitterung.
- Ironie
- Das Stubenmädchen wird für etwas verantwortlich gemacht, was es nicht getan hat.
- Metapher
- Die Lampe wird als 'faule, verbummelte Schlampe' und der Spiegel als 'altes, schmieriges Scherbenstück' bezeichnet.
- Onomatopoesie
- Die Lampe 'fauchte, rauchte, schwelte und ruste'.
- Personifikation
- Der Spiegel und die Lampe werden als sprechende und handelnde Wesen dargestellt.