Lamentationen
unknownDas Glück ist eine leichte Dirne Und weilt nicht gern am selben Ort; Sie streicht das Haar dir von der Stirne, Und küßt dich rasch und flattert fort.
Frau Unglück hat im Gegenteile Dich liebefest ans Herz gedrückt; Sie sagt, sie habe keine Eile, Setzt sich zu dir ans Bett und strickt.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Lamentationen" von Heinrich Heine beschreibt den Kontrast zwischen Glück und Unglück. Das Glück wird als leichtsinnige und flüchtige Dirne dargestellt, die nur kurz bei einem verweilt und dann schnell wieder verschwindet. Sie streichelt einem durch das Haar und küsst einen, bevor sie wieder davonflattert. Das Unglück hingegen wird als treue Gefährtin gezeigt, die sich einem ans Herz legt und einen nicht so schnell wieder loslässt. Sie sitzt am Bett und strickt, was eine gewisse Gemütlichkeit und Beständigkeit ausstrahlt. Die Metapher der "leichten Dirne" für das Glück verdeutlicht dessen unstetes und unzuverlässiges Wesen. Es kommt und geht nach Lust und Laune, ohne sich lange an einem Ort aufzuhalten. Das Unglück hingegen wird als "Frau" bezeichnet, was auf eine festere Bindung und Beständigkeit schließen lässt. Es hält sich lange bei einem auf und gibt einem das Gefühl, nicht allein zu sein. Die Gegenüberstellung der beiden Gefühlszustände macht deutlich, dass das Unglück zwar unangenehm ist, aber doch eine gewisse Beständigkeit und Verlässlichkeit bietet, die das Glück nicht gewährt. Heine deutet an, dass man sich im Unglück zumindest nicht so schnell verlassen fühlt wie im Glück, das schnell wieder vorbei sein kann. Das Gedicht regt zum Nachdenken über die vergängliche Natur des Glücks und die tröstliche Beständigkeit des Unglücks an.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildlichkeit
- Setzt sich zu dir ans Bett und strickt
- Gegensatz
- Frau Unglück hat im Gegenteile
- Metapher
- Das Glück ist eine leichte Dirne
- Personifikation
- Sie sagt, sie habe keine Eile