Kunz und Görgel

Johann Nikolaus Götz

1745

Welch süße Wohllust, so zu trincken! Sprach Kunz, und rückte seinen Hut, Bey neuem Wein und jungen Schinken Sind allemahl die Zeiten gut! Die Steuer scheinet viel gelinder, Die Stunden fliesen viel geschwinder, Wenn man bey vollem Glase spricht; Denn an die Schulden denckt man nicht; Noch weniger an Weib und Kinder. Gefiel es, Nachbar Görgel, dir, Wir blieben bis zum Morgen hier? Rasch fieng sich Görgel an zu blähen; (Er hatte, wie ein Seraskier, Den Kopf voll Stangen und voll Höhen) Ich halte, Vetter Kunz, dafür, Ihr scheint das Ding nicht zu verstehen, Und raisoniret, wie ein Thier. Wir bleiben rechter immer hier: Es kostet nichts, als wann wir gehen!

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Illustration zu Kunz und Görgel

Interpretation

Das Gedicht "Kunz und Görgel" von Johann Nikolaus Götz handelt von einem Gespräch zwischen zwei Männern, Kunz und Görgel, die zusammen Wein und Schinken genießen. Kunz lobt die süße Freude des Trinkens und schlägt vor, bis zum Morgen zu bleiben. Görgel hingegen wird schnell ärgerlich und wirft Kunz vor, das Ganze nicht zu verstehen und wie ein Tier zu argumentieren. Er schlägt vor, dass sie besser immer hier bleiben sollten, da es nichts kostet, außer wenn sie gehen. Das Gedicht vermittelt eine humorvolle und satirische Darstellung des menschlichen Verhaltens, insbesondere im Zusammenhang mit dem Genuss von Alkohol. Es zeigt die unterschiedlichen Persönlichkeiten von Kunz und Görgel sowie ihre unterschiedlichen Ansichten über das Trinken und das Verweilen in einer Gaststätte. Götz nutzt den Dialog zwischen den beiden Charakteren, um die menschlichen Schwächen und die Neigung zur Trägheit und Bequemlichkeit aufzuzeigen. Die Sprache des Gedichts ist lebhaft und bildhaft, mit einer klaren Struktur und einem rhythmischen Fluss. Götz verwendet Reime und Alliterationen, um den Text ansprechend und einprägsam zu gestalten. Die Verwendung von Dialekt und umgangssprachlichen Ausdrücken verleiht dem Gedicht eine authentische und humorvolle Note, die den Leser zum Schmunzeln bringt.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Welch süße Wohllust, so zu trincken!
Bildsprache
Bey neuem Wein und jungen Schinken
Ironie
Es kostet nichts, als wann wir gehen!
Kontrast
Die Steuer scheinet viel gelinder, Die Stunden fliesen viel geschwinder
Personifikation
Die Stunden fliesen viel geschwinder