Kühle mein Herz!

Hermann Rollett

1875

Das Gras auf der Heide, so grün und voll, Spricht ewig, daß ich hoffen soll.

Die Rosenflur ruft glühend rot: Liebe, liebe bis in den Tod!

Und der blaue Himmel oben spricht: Vergißmeinnicht! Vergißmeinnicht! —

Du grünes Gras, du weißt es nicht, Wie bald, wie bald die Treue bricht.

Du liebes Röslein, so glühend rot, — Du weißt nichts von der Liebe Tod.

Du aber Himmel so tief und blau — Kühle mein Herz mit deinem Thau,

Oder erlöse von seinem Schmerz Ein wehmutvolles, banges Herz!

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Illustration zu Kühle mein Herz!

Interpretation

Das Gedicht "Kühle mein Herz!" von Hermann Rollett thematisiert die Sehnsucht nach Trost und Erlösung angesichts der Unzuverlässigkeit der Liebe und der Vergänglichkeit der Welt. Die Natur wird als tröstende Instanz angesprochen, die jedoch auch als naiv und unwissend dargestellt wird. In den ersten beiden Strophen werden die Symbole der Natur - das grüne Gras, die Rosen und der blaue Himmel - als Botschafter der Hoffnung und Liebe präsentiert. Das Gras ermutigt zum Hoffen, die Rosen rufen zur leidenschaftlichen Liebe bis in den Tod auf, und der Himmel mahnt zum "Vergissmeinnicht". Die dritte und vierte Strophe wenden sich jedoch gegen diese vermeintlichen Trostspender. Das Gras und die Rosen werden als unwissend dargestellt, da sie die Brüchigkeit der Treue und den Tod der Liebe nicht kennen. Der Himmel wird schließlich als einzige Instanz angerufen, die das leidende Herz entweder mit ihrem Tau kühlen oder von seinem Schmerz erlösen soll. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung der Melancholie und des Schmerzes angesichts der Unzuverlässigkeit der Liebe und der Vergänglichkeit der Welt. Der lyrische Ich sucht Trost und Erlösung in der Natur, erkennt jedoch deren Begrenztheit und wendet sich schließlich direkt an den Himmel als einzige Instanz, die das leidende Herz erlösen kann. Die Natur wird dabei als naiv und unwissend dargestellt, während das lyrische Ich selbst als "wehmutvoll" und "bang" charakterisiert wird.

Schlüsselwörter

liebe gras spricht glühend rot tod himmel vergißmeinnicht

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Stilmittel

Anapher
Vergißmeinnicht! Vergißmeinnicht!
Apostrophe
Du aber Himmel so tief und blau
Kontrast
Du grünes Gras, du weißt es nicht, Wie bald, wie bald die Treue bricht.
Metapher
Oder erlöse von seinem Schmerz Ein wehmutvolles, banges Herz!
Personifikation
Das Gras auf der Heide, so grün und voll, Spricht ewig, daß ich hoffen soll.