Krol Duch

Peter Hille

1877

So ein Menschensinn, Ihr wißt ja nicht, Wie groß der ist, Wie gewaltig und fest! Weilend und eilend Ein Proteus. Überallhin, überallhin Reichen reine Kräfte, Die sich der Triebe begeben. In zarten Farben Atmet der Geist ein seliges Leben, Bange vor Fülle. Alles ist von Blumen zu, Wo gibt es ein Ende? Über alles rieselst du hin, Göttlicher Geist, Und schaust dein selber Beschwichtigtes Schicksal, Und freust Dich, Eines gewaltigen Vaters der Dinge, Der nirgends wohnt, Um so glutender naht seine Kraft Den wachsenden Söhnen, In ihnen wächst er drängend Über die Erden, Neu sie erschaffend, Unverlassen, Anders gestaltet, Kann er die Welten Und ihr buntes leuchtendes Leben Ruhend aus sich tun. Sein Sein schon ist Leben. Farbige Weihe, Ungeheure Angesichter Her zu mir gestellt Aus der Unendlichkeit, Und starke deutliche Hände Mit festen brüchigen Daumennägeln, Knoten an den Gelenken Und blauen täglichen Ärmeln, Oder ziegelroten Und breitem, weißen, lässigen Aufschlag, Die kommen mir aus dem klaren, Dem Blicke weichenden Himmelsgewölbe. Ein Wortbauer, Gestalten sinnend, Gesetze gewinnend Von hüben Und drüben, Zuwartend, Rein mich putzend Und liebend, liebend. Die brennende Sehnsucht Zum weiteren Leben und Tod Und Sterne Und Sonnenbahnen Aus meinem helleren, Tieferen Geiste zu lesen, Sie wird gestillt nach Gesetzen Zur Zeit.

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Illustration zu Krol Duch

Interpretation

Das Gedicht "Krol Duch" von Peter Hille ist eine tiefgründige Betrachtung über die menschliche Seele und ihren unermesslichen Geist. Hille beschreibt die menschliche Psyche als einen "Proteus", der wandelbar und allgegenwärtig ist. Die Seele wird als eine Kraft dargestellt, die sich der Triebe bemächtigt und in zarten Farben ein seliges Leben atmet, jedoch auch von der Fülle überwältigt wird. Das Gedicht vermittelt die Idee, dass die Seele in einem ständigen Wachstum begriffen ist, das von einem "gewaltigen Vater der Dinge" angetrieben wird, der zwar nirgends wohnt, dessen Kraft aber umso intensiver auf die wachsenden Söhne einwirkt. Hille verwendet lebhafte Bilder, um die Verbindung zwischen dem Göttlichen und dem Irdischen zu illustrieren. Die Seele wird als etwas dargestellt, das über die Erde hinauswächst und die Welten und ihr buntes Leben aus sich hervorbringt. Die Beschreibung der "ungeheuren Angesichter" und der "starken deutlichen Hände" aus der Unendlichkeit unterstreicht die Nähe des Göttlichen zum Menschen. Diese göttlichen Hände, die mit ihren festen brüchigen Daumennägeln und blauen oder ziegelroten Ärmeln aus dem klaren Himmelsgewölbe kommen, symbolisieren die direkte Einflussnahme des Göttlichen auf das menschliche Dasein. Das Gedicht schließt mit der Vorstellung eines "Wortbauers", der Gesetze von beiden Seiten her gewinnt und den Sprecher reinigt und liebt. Die brennende Sehnsucht, das weitere Leben, den Tod und die kosmischen Bahnen aus dem tieferen Geist zu lesen, wird nach Gesetzen zur rechten Zeit gestillt. Hille vermittelt somit die Idee, dass die menschliche Seele durch das Verständnis der göttlichen Gesetze Erfüllung findet und dass die Suche nach Erkenntnis und die Liebe letztendlich zur Befriedigung der tiefsten Sehnsüchte führen.

Schlüsselwörter

leben überallhin geist liebend menschensinn wißt groß gewaltig

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Stilmittel

Hyperbel
Wie gewaltig und fest!
Metapher
Die brennende Sehnsucht Zum weiteren Leben und Tod
Personifikation
Sie wird gestillt nach Gesetzen Zur Zeit