Kritik
1833Hör mir nicht auf solch Geschwätze, Liebes Herz, daß wir Poeten Schon genug der Liebeslieder, Ja zuviel gedichtet hätten.
Ach, es sind so kläglich wenig, Denn ich zählte sie im stillen, Kaum genug, dein Nadelbüchlein Schicklich damit anzufüllen.
Lieder, die von Liebe reimen, Kommen Tag für Tage wieder; Doch wir zwei Verliebte sprechen: Das sind keine Liebeslieder.
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Interpretation
Das Gedicht "Kritik" von Theodor Storm ist eine Verteidigung der Liebeslyrik gegen ihre Kritiker. Der Sprecher wendet sich direkt an sein Herz und bittet es, nicht auf die Vorwürfe zu hören, Dichter hätten bereits genug und sogar zu viele Liebeslieder gedichtet. Er empfindet diese Kritik als unberechtigt und möchte sie mit seinen folgenden Ausführungen widerlegen. In den folgenden Zeilen argumentiert der Sprecher, dass die Anzahl der Liebeslieder bei weitem nicht ausreicht. Er vergleicht die vorhandenen Liebesgedichte mit einem Nadelbüchlein, das noch lange nicht vollständig mit den vorhandenen Liedern gefüllt werden könnte. Dieser Vergleich verdeutlicht die unendliche Vielfalt und den Reichtum der Liebe, die sich nicht in einer begrenzten Anzahl von Gedichten erschöpfen lässt. Der Sprecher betont, dass zwar täglich neue Lieder über die Liebe verfasst werden, diese jedoch nicht die Essenz der Liebe einfangen können. Er und seine Geliebte haben eine tiefere, persönlichere Erfahrung der Liebe, die sich von den allgemeinen, oft klischeehaften Liebesliedern unterscheidet. Das Gedicht endet mit der Feststellung, dass die wahren Liebeslieder, die die Tiefe und Einzigartigkeit ihrer Beziehung ausdrücken, noch geschrieben werden müssen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Ironie
- Doch wir zwei Verliebte sprechen: Das sind keine Liebeslieder.
- Kontrast
- Hör mir nicht auf solch Geschwätze, Liebes Herz, daß wir Poeten Schon genug der Liebeslieder, Ja zuviel gedichtet hätten.
- Metapher
- Kaum genug, dein Nadelbüchlein Schicklich damit anzufüllen.