Kriegslied

Max von Schenkendorf

1813

Wie lieblich klang das Heergebot, Die hohen Fahnen wallen! Wir lassen laut in Schlacht und Tod Das Feldgeschrei erschallen: Mit uns ist Gott in diesem Krieg, Er sendet Segen, sendet Sieg.

Zerbrochen ist ein arges Joch, Des Fremdlings schnöde Ketten; Doch ach wir tragen andre noch, Wer mag uns davon retten? Wir heißen gerne Gottes Heer, Und Sünden liegen auf uns schwer.

Wir sehen wol am Sternensaal Die goldne Rüstung glänzen, Ihr Engel Gottes allzumal Mit grünen Palmenkränzen, Die ihr die Menschen schützt und liebt, O werdet nie von uns betrübt!

O, blickt herab auf unser Heer, Vom Haus der ew′gen Freude, Ihr Heiligen, ihr Märtyrer Im blutbesprengten Kleide, Hier ist das Leben, hier das Blut, O schenket Glauben, schenket Muth!

Was schauest du so hehr und mild Uns an von unsern Fahnen, Du theures Muttergottesbild, Dein Antlitz muß uns mahnen An Demuth, Freundlichkeit und Zucht, Des heil′gen Geistes werthe Frucht.

Du theurer Heiland, zeuch voran Und heilige die Deinen, Einst müssen alle Mann für Mann Vor deinem Thron erscheinen: Ach wären alle doch bereit Für Grab, Gericht und Ewigkeit.

Der uns die eine Freiheit gab, Will auch die schön′re schenken, Du unser Stecken, unser Stab, Laß deiner stets uns denken: In deinem Namen ziehn wir aus, Dem ew′gen Feinde gilt der Strauß.

Wir schützen uns in jeder Noth Mit deines Kreuzes Zeichen, Davor muß Sünde, Höll′ und Tod, Ja selbst der Teufel weichen, Vom Kreuze kommt allein uns Kraft, Zu üben deine Ritterschaft.

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Kriegslied

Interpretation

Das Gedicht "Kriegslied" von Max von Schenkendorf thematisiert den Freiheitskampf der Deutschen gegen die napoleonische Fremdherrschaft im Jahr 1813. Der Dichter ruft zu einem heiligen Krieg auf, in dem Gott als Verbündeter an der Seite der deutschen Krieger steht. Der erste Teil des Gedichts beschreibt die Freude und den Mut der Soldaten, die bereit sind, für ihre Freiheit zu kämpfen und zu sterben. Im zweiten Teil des Gedichts geht es um die moralische und spirituelle Verantwortung der Kämpfer. Der Dichter erkennt die Sünden an, die auf den Menschen lasten, und bittet die Engel und Heiligen um Schutz und Beistand im Kampf. Die Soldaten sollen sich von Demut, Freundlichkeit und Zucht leiten lassen, um den Segen Gottes zu erhalten. Im letzten Teil des Gedichts wird der Heiland als Vorbild und Anführer angerufen. Die Soldaten sollen in seinem Namen ausziehen und den ewigen Feind besiegen. Der Dichter betont die Bedeutung des Kreuzes als Schutzzeichen und Quelle der Kraft, um die Ritterlichkeit und den Glauben im Kampf aufrechtzuerhalten. Das Gedicht schließt mit der Hoffnung auf ewigen Lohn und die Erlösung von Sünden durch den Opfertod im heiligen Krieg.

Schlüsselwörter

gen fahnen tod sendet gottes heer schenket muß

Wortwolke

Wortwolke zu Kriegslied

Stilmittel

Allegorie
Der uns die eine Freiheit gab, Will auch die schön′re schenken
Bildsprache
Mit deines Kreuzes Zeichen, Davor muß Sünde, Höll′ und Tod, Ja selbst der Teufel weichen
Hyperbel
Hier ist das Leben, hier das Blut
Personifikation
Wir sehen wol am Sternensaal Die goldne Rüstung glänzen
Symbolik
Du theures Muttergottesbild