Kriegslied der Deutschen

Heinrich von Kleist

1821

Zottelbär und Panthertier Hat der Pfeil bezwungen; Nur für Geld, im Drahtspalier, Zeigt man noch die Jungen.

Auf den Wolf, soviel ich weiß, Ist ein Preis gesetzet; Wo er immer hungerheiß Naht, wird er gehetzet.

Reinecke, der Fuchs, der sitzt Lichtscheu in der Erden, Und verzehrt, was er stipitzt, Ohne fett zu werden.

Aar und Geier nisten nur Auf der Felsen Rücken, Wo kein Sterblicher die Spur In den Sand mag drücken.

Schlangen sieht man gar nicht mehr, Ottern und dergleichen, Und der Drachen Greuelheer, Mit geschwollnen Bäuchen.

Nur der Franzmann zeigt sich noch In dem deutschen Reiche Brüder, nehmt die Keule doch, Daß er gleichfalls weiche.

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Illustration zu Kriegslied der Deutschen

Interpretation

Das Gedicht "Kriegslied der Deutschen" von Heinrich von Kleist ist ein kraftvolles und eindringliches Werk, das die Situation Deutschlands im 19. Jahrhundert thematisiert. Es verwendet eine metaphorische Sprache, um die verschiedenen Aspekte der deutschen Gesellschaft und ihre Beziehung zu den Franzosen darzustellen. Das Gedicht beginnt mit einer Reihe von Tieren, die als Symbole für verschiedene Elemente der deutschen Gesellschaft dienen. Der Bär und der Panther, die einst mächtig waren, werden durch Pfeile bezwungen, was auf die Niederlage und Unterwerfung Deutschlands durch die Franzosen hinweist. Die zweite Strophe führt den Wolf ein, der als Symbol für die französische Bedrohung steht. Der Wolf wird gehetzt, was auf die Angst und den Hass der Deutschen gegenüber den Franzosen hinweist. Die dritte Strophe stellt Reinecke, den Fuchs, als Symbol für die deutsche Intelligenz dar, die sich in die Erde verkriecht und sich von den Franzosen ernährt, ohne selbst zu profitieren. Die vierte Strophe führt den Adler und den Geier ein, die als Symbole für die deutsche Kultur und Tradition stehen. Sie nisten auf den Felsen, was auf ihre Unerreichbarkeit und Unveränderlichkeit hindeutet. Die letzte Strophe führt den Franzmann ein, der sich noch in Deutschland zeigt. Die Deutschen werden aufgefordert, die Keule zu ergreifen und den Franzmann zu vertreiben. Dies ist ein Aufruf zum Kampf gegen die französische Besatzung und zur Wiederherstellung der deutschen Unabhängigkeit. Das Gedicht endet mit einem Aufruf zur Einheit und zum gemeinsamen Handeln der Deutschen. Insgesamt ist das Gedicht ein kraftvolles und eindringliches Werk, das die deutsche Identität und den Kampf um die Unabhängigkeit im 19. Jahrhundert thematisiert.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Allegorie
Die Tiere und Kreaturen im Gedicht stehen symbolisch für verschiedene Feinde oder Bedrohungen, wobei der Franzmann als letzter verbleibender Feind im deutschen Reich dargestellt wird.
Bildsprache
Geschwollnen Bäuchen
Hyperbel
Mit geschwollnen Bäuchen
Metapher
Nur der Franzmann zeigt sich noch In dem deutschen Reiche
Personifikation
Wo kein Sterblicher die Spur In den Sand mag drücken