Kriegslied

Matthias Claudius

1778

’s ist Krieg! ’s ist Krieg! O Gottes Engel wehre, Und rede du darein! ’s ist leider Krieg - und ich begehre Nicht schuld daran zu sein!

Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen Und blutig, bleich und blaß, Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen, Und vor mir weinten, was?

Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten, Verstümmelt und halb tot Im Staub sich vor mir wälzten, und mir fluchten In ihrer Todesnot?

Wenn tausend tausend Väter, Mütter, Bräute, So glücklich vor dem Krieg, Nun alle elend, alle arme Leute, Wehklagten über mich?

Wenn Hunger, böse Seuch’ und ihre Nöten Freund, Freund und Feind ins Grab Versammleten, und mir zu Ehren krähten Von einer Leich herab?

Was hülf’ mir Kron’ und Land und Gold und Ehre? Die könnten mich nicht freun! ’s ist leider Krieg - und ich begehre Nicht schuld daran zu sein!

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Illustration zu Kriegslied

Interpretation

Das Gedicht "Kriegslied" von Matthias Claudius beschäftigt sich mit den schrecklichen Folgen des Krieges und der moralischen Verantwortung des Einzelnen. Der Sprecher betont mehrfach, dass er nicht die Schuld am Krieg tragen möchte, und stellt sich die schrecklichen Konsequenzen vor, die er tragen müsste, wenn er daran beteiligt wäre. Er imaginiert die Geister der Erschlagenen, die verwundeten und sterbenden Soldaten sowie die trauernden Angehörigen, die alle auf ihn einreden und ihn verfluchen würden. Das Gedicht verdeutlicht die Sinnlosigkeit und Grausamkeit des Krieges, indem es die menschlichen Opfer und das Leid der Zivilbevölkerung thematisiert. Der Sprecher stellt sich vor, wie tausende von Menschen, die vor dem Krieg glücklich waren, nun elend und arm sind und über ihn klagen. Er erwähnt auch die Hungersnot und die Seuchen, die den Krieg begleiten und sowohl Freunde als auch Feinde ins Grab bringen. Am Ende des Gedichts betont der Sprecher erneut, dass er nicht die Schuld am Krieg tragen möchte. Er stellt die Frage, was ihm Kronen, Land, Gold und Ehre nützen würden, wenn er die Verantwortung für das Leid und den Tod so vieler Menschen tragen müsste. Das Gedicht endet mit der Wiederholung der Aussage, dass er nicht schuld am Krieg sein möchte, und unterstreicht damit die ethische Haltung des Sprechers, die sich gegen die Teilnahme am Krieg richtet.

Schlüsselwörter

krieg leider begehre schuld daran ehre tausend alle

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Freund, Freund und Feind ins Grab
Apostrophe
O Gottes Engel wehre
Kontrast
So glücklich vor dem Krieg, Nun alle elend, alle arme Leute
Personifikation
Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen
Rhetorische Frage
Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen