Kriegsglück
1749Verwünschter weiß ich, nichts im Krieg, Als nicht blessiert zu sein. Man geht getrost von Sieg zu Sieg Gefahrgewohnt hinein; Hat abgepackt und aufgepackt Und weiter nichts ereilt, Als daß man auf dem Marsch sich plackt, Im Lager langeweilt.
Dann geht das Kantonieren an, Dem Bauer eine Last, Verdrießlich jedem Edelmann, Und Bürgern gar verhaßt. Sei höflich, man bedient dich schlecht, Den Grobian zur Not; Und nimmt man selbst am Wirte Recht, Ißt man Profossenbrot.
Wenn endlich die Kanone brummt Und knattert ′s klein Gewehr, Trompet und Trab und Trommel summt, Da geht′s wohl lustig her; Und wie nun das Gefecht befiehlt, Man weichet, man erneut′s, Man retiriert, man avanciert - Und immer ohne Kreuz.
Nun endlich pfeift Musketenblei Und trifft, will′s Gott, das Bein, Und nun ist alle Not vorbei. Man schleppt uns gleich hinein Zum Städtchen, das der Sieger deckt, Wohin man grimmig kam; Die Frauen, die man erst erschreckt, Sind liebenswürdig zahm.
Da tut sich Herz und Keller los, Die Küche darf nicht ruh′n; Auf weicher Betten Flaumenschoß Kann man sich gütlich tun. Der kleine Flügelbube hupft, Die Wirtin rastet nie; Sogar das Hemdchen wird zerzupft, Das nenn′ ich doch Charpie!
Hat eine sich den Helden nun Beinah herangepflegt, So kann die Nachbarin nicht ruh′n, Die ihn gesellig hegt. Ein Drittes kommt wohl emsiglich, Am Ende fehlet keins, Und in der Mitte sieht er sich Des sämtlichen Vereins.
Der König hört von guter Hand, Man sei voll Kampfeslust; Da kömmt behende Kreuz und Band Und zieret Rock und Brust. Sagt, ob ′s für einen Martismann Wohl etwas Beßres gibt! Und unter Tränen scheidet man Geehrt so wie geliebt.
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Interpretation
Das Gedicht "Kriegsglück" von Johann Wolfgang von Goethe beschreibt die Erlebnisse eines Soldaten im Krieg und die verschiedenen Phasen, die er durchläuft. Es beginnt mit der anfänglichen Zuversicht und dem Siegesrausch, gefolgt von den Strapazen des Marschierens und der Langeweile im Lager. Die anschließende Phase des Kantonierens wird als belastend und unangenehm dargestellt, da die Soldaten von der Zivilbevölkerung schlecht behandelt werden. Der eigentliche Kampf wird als aufregend und lustig beschrieben, jedoch ohne dass die Soldaten Verletzungen erleiden oder das "Kreuz" (eine Auszeichnung) erhalten. Erst als der Soldat schließlich verwundet wird und ins Lazarett kommt, ändert sich seine Situation zum Besseren. Er wird von den Frauen umsorgt, genießt die Annehmlichkeiten des Lebens und wird schließlich für seinen Mut ausgezeichnet. Das Gedicht endet mit der Frage, ob es für einen Soldaten etwas Besseres geben könnte, als geehrt und geliebt zu werden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Man geht getrost von Sieg zu Sieg Gefahrgewohnt hinein;
- Bildsprache
- Auf weicher Betten Flaumenschoß Kann man sich gütlich tun.
- Enjambement
- Verwünschter weiß ich, nichts im Krieg, Als nicht blessiert zu sein.
- Hyperbel
- Da tut sich Herz und Keller los, Die Küche darf nicht ruh'n;
- Ironie
- Sagt, ob 's für einen Martismann Wohl etwas Beßres gibt!
- Kontrast
- Und wie nun das Gefecht befiehlt, Man weichet, man erneut's, Man retiriert, man avanciert - Und immer ohne Kreuz.
- Metapher
- Verwünschter weiß ich, nichts im Krieg, Als nicht blessiert zu sein.
- Parallelismus
- Man geht getrost von Sieg zu Sieg Gefahrgewohnt hinein; Hat abgepackt und aufgepackt Und weiter nichts ereilt,
- Personifikation
- Die Frauen, die man erst erschreckt, Sind liebenswürdig zahm.
- Symbolik
- Da kömmt behende Kreuz und Band Und zieret Rock und Brust.