Kreuzgedicht
1633Seht der könig könig hängen! und uns all mitt blutt besprängen auss der dörner wunden bronnen ist All unsser heyl geronnen seine augen schliest Er sacht! und den Himmel uns aufmacht Seht Er Streket Seine Hend auss uns freundlichst Zuentfangen! Hatt an sein Liebheisses Herz uns zu drüken brünst verlangen! Ja Er neigt sein liebstes haubt uns begihrlichest zu küssen All Sein Sinn gebärd und werk seyn zu unser Heyl geflissen! Seiner seitten offen stehen Macht seyn güttig Herze sehen! Wann Wir schauen mitt den Sinnen Sehen Wir uns selbst darinnen! So Viel striemen so Viel Wunden Alss an seinen leib gefunden So Viel Sieg und Segen kwellen Wollt′ er unser Seel bestellen, Zwischen Himel und der Erden wollt′ Er auf geopfert werden Dass Er gott und uns verglihen uns Zu sterken Er Verblihen Ja sein sterben hatt das Leben Mir und Aller Weltt gegeben! Jesu′ Christ dein Tod und schmerzen Leb′ und schweb′ mir stett im Herzen!
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Interpretation
Das Gedicht "Kreuzgedicht" von Catharina Regina von Greiffenberg beschreibt in eindringlichen Worten die Kreuzigung Jesu Christi. Die Autorin schildert die körperlichen Leiden und die emotionale Tragweite des Opfers Christi, wobei sie die tiefgreifende Bedeutung für die Menschheit hervorhebt. Durch die detaillierte Darstellung der Wunden und des Blutes Christi wird die Intensität des Leidens und die Tiefe der Liebe Jesu zu den Menschen betont. Im zweiten Teil des Gedichts richtet die Autorin den Fokus auf die spirituelle Dimension des Geschehens. Sie betont, dass durch Christi Opfer den Menschen der Himmel geöffnet wird und sie die Möglichkeit der Erlösung erhalten. Die Bilder von Christi ausgestreckten Armen und seinem liebevollen Herzen symbolisieren die Einladung zur Umarmung und zum Empfangen der göttlichen Gnade. Die Autorin vermittelt die Idee, dass durch das Betrachten des Gekreuzigten die Betrachter sich selbst in seinem Leiden erkennen und eine tiefe spirituelle Verbindung erfahren können. Im letzten Abschnitt des Gedichts wird die transformative Kraft des Todes Christi hervorgehoben. Die Autorin betont, dass durch seinen Tod nicht nur das ewige Leben ermöglicht wurde, sondern auch die Stärkung und Erneuerung der Gläubigen. Das Gedicht schließt mit einem leidenschaftlichen Gebet, in dem die Autorin Jesus Christus bittet, dass sein Tod und seine Leiden stets in ihrem Herzen lebendig bleiben mögen. Dies unterstreicht die tiefe persönliche Verbundenheit und die andauernde Wirkung des Opfers Christi auf das spirituelle Leben der Gläubigen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Seiner seitten offen stehen
- Bildsprache
- Ja sein sterben hatt das Leben Mir und Aller Weltt gegeben!
- Hyperbel
- So Viel striemen so Viel Wunden Alss an seinen leib gefunden
- Metapher
- Seht der könig könig hängen! und uns all mitt blutt besprängen
- Personifikation
- Seine augen schliest Er sacht! und den Himmel uns aufmacht
- Symbolik
- Zwischen Himel und der Erden wollt′ Er auf geopfert werden