Krankheit und Tod
1872Nicht wußt’ ich, was mir fehlte, Noch fühlt’ ich, was mich quälte; Es war mir nur Behagen Zu klagen und zu klagen.
Nun fühl’ ich, was mich quälet, Nun weiß ich, was mir fehlet, Nicht klag’ ich aus Behagen An bloßem Unbehagen.
Und nun, was dort mir fehlte, Weiß ich, und was mich quälte, Daß böse Ahnung zagte Und in die Zukunft klagte.
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Interpretation
Das Gedicht "Krankheit und Tod" von Friedrich Rückert beschreibt den Übergang von Unwissenheit zu Bewusstsein im Angesicht einer unheilbaren Krankheit. In den ersten Strophen wird ein Zustand der Verwirrung und des Leidens dargestellt, in dem der Sprecher nicht weiß, was ihm fehlt oder was ihn quält. Er klagt, ohne zu verstehen, warum er klagt, getrieben von einem unbestimmten Unbehagen. In den folgenden Strophen gewinnt der Sprecher an Klarheit und Erkenntnis. Er fühlt nun, was ihn quält und weiß, was ihm fehlt. Das Klagen wird nicht mehr aus bloßem Unbehagen heraus getan, sondern ist nun eine bewusste Reaktion auf die erkannte Krankheit. Der Sprecher hat seine Situation erfasst und kann nun gezielter auf sein Leiden reagieren. Im letzten Teil des Gedichts reflektiert der Sprecher über die böse Ahnung, die ihn in die Zukunft blicken ließ. Diese Ahnung, die zuvor zagte, hat sich nun als richtig erwiesen. Der Sprecher weiß nun, was ihm fehlt und was ihn quält, und kann die Konsequenzen seiner Krankheit voraussehen. Das Gedicht endet mit einer resignativen Akzeptanz des Schicksals und der bevorstehenden Sterblichkeit.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Zu klagen und zu klagen
- Antithese
- Nun fühl' ich, was mich quälet, / Nun weiß ich, was mir fehlet
- Chiasmus
- Nicht wußt' ich, was mir fehlte, / Noch fühlt' ich, was mich quälte
- Kontrast
- Es war mir nur Behagen / Zu klagen und zu klagen
- Parallelismus
- Nicht klag' ich aus Behagen / An bloßem Unbehagen
- Wiederholung
- was mir fehlte, / Weiß ich, und was mich quälte