Kosmos
1854Elementarlied
So leichthin lächelnd - Gesetz darin. Und es ist eine Welt geronnen. Den Göttern ist eine Welt gelungen, Wie mir die meine. Und ihre Qual, Denn die haben sie. Qualen tragen die Schönheit. Ungeheuer. Und schaffe nicht auch ich? Dein blühendes Schicksal. Dein blauer, tauender Frieden-Himmel lächelt Schmerzlich geschlossen, Und peitscht mich wieder hinweg von mir. Und all meine Lieder trinken bitteres Wasser. Ruhlos peitschenden Mißklang. Und röten gereizt üppige Gewitterblumen Zu hohen Ahnungen auf. Ihrer Kelche verwegen schwellenden Purpur: Tief in die Brust. Brennt nicht ihr böses Feuer Das böse Feuer des schwarzen Gewebes, Und ich finde nicht Ruh In allen den wandernden Wogen Des auseinander- Geratenen Meeres. Und es wälzt mich meine lechzende Seele, Wie der heiße Leib der Höhe Rötlich ruhlos Welkt zusammen die wuchtenden Wälder Grellaufschreienden Gestades.
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Interpretation
Das Gedicht "Elementarlied" von Peter Hille ist eine tiefgründige Reflexion über die Natur des Seins und die menschliche Existenz. Es beginnt mit einem paradoxen Bild: "So leichthin lächelnd - Gesetz darin", das die Leichtigkeit des Lächelns mit der Schwere des Gesetzes kontrastiert. Dies deutet auf die Dualität des Lebens hin, in der Schönheit und Schmerz, Freude und Leid untrennbar miteinander verbunden sind. Das Gedicht vergleicht die eigene Welt des Sprechers mit der der Götter und betont, dass auch die göttlichen Wesen ihre Qualen haben. Die Qual wird als Träger der Schönheit dargestellt, was die Idee unterstreicht, dass wahre Schönheit oft aus Leid und Anstrengung entsteht. Im weiteren Verlauf des Gedichts wird die Intensität der menschlichen Erfahrung durch kraftvolle Bilder verstärkt. Der "blühende Himmel" des Schicksals wird als "schmerzlich geschlossen" beschrieben, was die Spannung zwischen Hoffnung und Enttäuschung verdeutlicht. Der Sprecher fühlt sich von dieser Schönheit "wieder hinweggepeitscht", was die unaufhaltsame Natur des Lebens und der Zeit symbolisiert. Die Lieder des Sprechers trinken "bitteres Wasser", was auf die Bitterkeit und den Schmerz hinweist, die oft die kreative Ausdrucksweise begleiten. Die "gewitterblumen" und ihre "üppige" Pracht werden als "hohe Ahnungen" interpretiert, die den Sprecher zu tiefen Einsichten und Erkenntnissen führen. Das Gedicht schließt mit einer kraftvollen Metapher der Natur: Die "lechzende Seele" wird mit dem "heißen Leib der Höhe" verglichen, was die Intensität und das Verlangen nach Erfüllung und Transzendenz ausdrückt. Die "wuchtigen Wälder" welken "rötlich ruhlos", was die Vergänglichkeit und die unaufhaltsame Zeit symbolisiert. Das "grellaufschreiende Gestade" am Ende des Gedichts vermittelt eine Atmosphäre der Dringlichkeit und des unaufhaltsamen Wandels. Insgesamt ist "Elementarlied" ein tiefgründiges und komplexes Gedicht, das die Schönheit und das Leid des Lebens, die menschliche Kreativität und die unaufhaltsame Natur der Zeit und des Wandels erforscht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Grellaufschreienden Gestades
- Personifikation
- Und es ist eine Welt geronnen