Kornrauschen
unknownBist du wohl im Kornfeld schon gegangen, wenn die vollen Ähren überhangen, durch die schmale Gasse dann inmitten schlanker Flüsterhalme hingeschritten? Zwang dich nicht das heimelige Rauschen, stehn zu bleiben und darein zu lauschen? Hörtest du nicht aus den Ähren allen wie aus weiten Fernen Stimmen hallen? Klang es drinnen nicht wie Sichelklang? Sang es drinnen nicht wie Schnittersang? Hörtest nicht den Wind du aus den Höhn lustig sausend da sie Flügel drehn? Hörtest nicht die Wasser aus den kühlen Tälern singen du von Rädermühlen? Leis, ganz leis nur hallt das und verschwebt, wie im Korn sich Traum mit Traum verwebt, in ein Summen wie von Orgelklingen, drein ihr Danklied die Gemeinden singen. Rückt die Sonne dann der Erde zu, wird im Korne immer tiefre Ruh′, und der liebe Wind hat′s eingewiegt, wenn die Mondnacht schimmernd drüber liegt. Wie von warmem Brot ein lauer Duft zieht mit würz′gen Wellen durch die Luft.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Kornrauschen" von Ferdinand Avenarius beschreibt die sinnliche Erfahrung eines Menschen im Kornfeld, wobei der Fokus auf dem beruhigenden und mystischen Rauschen der Ähren liegt. Avenarius lädt den Leser ein, sich vorzustellen, wie man durch die schmalen Gassen zwischen den hohen, vollen Ähren schreitet und von dem heimeligen Rauschen gefangen genommen wird. Die Geräusche des Kornfeldes werden als eine Art natürliche Symphonie dargestellt, in der sich verschiedene Elemente wie der Wind, das Rascheln der Ähren und die entfernten Geräusche von Sicheln und Schnittern vermischen. Diese akustische Landschaft wird als ein Ort der Ruhe und des Nachdenkens beschrieben, an dem sich die Träume der Natur zu verweben scheinen. Im zweiten Teil des Gedichts vertieft Avenarius die Verbindung zwischen dem Kornfeld und den natürlichen Rhythmen des Lebens. Die Sonne und der Mond spielen eine wichtige Rolle, da sie die Atmosphäre des Kornfeldes beeinflussen. Die Sonne bringt tiefe Ruhe ins Korn, während der Wind es in den Nächten, in denen der Mond darüber schimmert, in den Schlaf wiegt. Diese Bilder vermitteln eine tiefe Verbundenheit mit der Natur und ihren Zyklen, wobei das Kornfeld als ein Ort der Geborgenheit und des Wachstums dargestellt wird. Der abschließende Vers des Gedichts verleiht der Szene eine sinnliche Dimension, indem er den Duft von warmem Brot erwähnt, der durch die Luft zieht. Dieser Duft symbolisiert die Fruchtbarkeit und den Reichtum der Ernte und verleiht dem Gedicht eine fast greifbare Qualität. Avenarius schafft es, die Schönheit und den Reichtum der Natur in all ihren Facetten einzufangen und den Leser in eine Welt voller sinnlicher Erfahrungen und natürlicher Harmonie zu entführen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- sich Traum mit Traum verwebt
- Anapher
- Hörtest du nicht... Hörstet du nicht... Hörstest nicht... Hörstest nicht
- Bildsprache
- schlanke Flüsterhalme
- Metapher
- heimelige Rauschen
- Personifikation
- der liebe Wind hat's eingewiegt
- Vergleich
- Wie von warmem Brot ein lauer Duft
- Wortwiederholung
- Traum mit Traum