König Sommer

Gustav Falke

1853

Nun fallen leise die Blüten ab, Und die jungen Früchte schwellen. Lächelnd steigt der Frühling ins Grab Und tritt dem Sommer die Herrschaft ab, Dem starken, braunen Gesellen.

König Sommer bereist sein Land Bis an die fernsten Grenzen, Die Ähren küssen ihm das Gewand, Er segnet sie alle mit reicher Hand, Wie stolz sie nun stehen und glänzen.

Es ist eine Pracht unterm neuen Herrn, Ein sattes Genügen, Genießen, Und jedes fühlt sich im innersten Kern So reich und tüchtig. Der Tod ist so fern, Und des Lebens Quellen fließen.

König Sommer auf rotem Roß Hält auf der Mittagsheide, Müdigkeit ihn überfloß, Er träumt von einem weißen Schloß Und einem König in weißem Kleide.

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Illustration zu König Sommer

Interpretation

Das Gedicht "König Sommer" von Gustav Falke beschreibt den Übergang vom Frühling zum Sommer als einen königlichen Machtwechsel. Der Frühling, symbolisiert als lächelnder Regent, übergibt sanft die Herrschaft an den starken, braunen Sommer. Dieser durchstreift sein Land bis an die fernsten Grenzen, segnet die Ähren mit reicher Hand und lässt sie stolz und glänzend stehen. Die Natur erstrahlt unter dem neuen Herrn in einer Pracht des Genügens und Genießens, wobei jedes Lebewesen sich im innersten Kern reich und tüchtig fühlt. Der Tod scheint fern, und die Quellen des Lebens fließen in Fülle. Der Sommer, dargestellt als König auf rotem Roß, hält auf der Mittagsheide inne. Müdigkeit überflutet ihn, und er träumt von einem weißen Schloss und einem König in weißem Kleid. Dieser Traum lässt auf den nahenden Herbst schließen, der oft mit Weiß und Kühle assoziiert wird. Der rote Sommer, Symbol für Wärme und Kraft, sehnt sich nach der Erholung und dem kühlen Weiß des Herbstes. Das Gedicht vermittelt die Vergänglichkeit der Jahreszeiten und des Lebens. Der Sommer, in seiner vollen Pracht und Kraft, träumt bereits vom nahenden Herbst, der den Kreislauf des Lebens fortsetzt. Die Farbsymbolik von Rot (Sommer) und Weiß (Herbst) unterstreicht den Kontrast zwischen der Wärme des Sommers und der Kühle des Herbstes. Das Gedicht lädt den Leser ein, die Schönheit und Vergänglichkeit der Natur und des Lebens zu reflektieren.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Müdigkeit ihn überfloß, er träumt von einem weißen Schloß und einem König in weißem Kleide.
Bildlichkeit
König Sommer auf rotem Roß hält auf der Mittagsheide.
Hyperbel
Und jedes fühlt sich im innersten Kern so reich und tüchtig.
Metapher
König Sommer bereist sein Land bis an die fernsten Grenzen, die Ähren küssen ihm das Gewand.
Personifikation
Nun fallen leise die Blüten ab, und die jungen Früchte schwellen. Lächelnd steigt der Frühling ins Grab und tritt dem Sommer die Herrschaft ab, dem starken, braunen Gesellen.
Symbolik
Es ist eine Pracht unterm neuen Herrn, ein sattes Genügen, Genießen.