König David

Heinrich Heine

1797

Lächelnd scheidet der Despot, denn er weiß, nach seinem Tod wechselt Willkür nur die Hände, und die Knechtschaft hat kein Ende.

Armes Volk! wie Pferd und Farrn bleibt es angeschirrt am Karrn und der Nacken wird gebrochen, der sich nicht bequemt den Jochen.

Sterbend spricht zu Salomo König David: Apropos das ich Joab dir empfehle einer meiner Generäle.

Dieser tapfre General ist seit Jahren mir fatal doch ich wagte den Verhassten niemals ernstlich anzutasten.

Du meinen Sohn, bist fromm und gut gottesfürchtig, stark genug und es wird dir leicht gelingen jenen Joab umzubringen.

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Illustration zu König David

Interpretation

Das Gedicht "König David" von Heinrich Heine thematisiert die Fortdauer von Unterdrückung und Willkürherrschaft selbst nach dem Tod eines Despoten. Der Dichter zeigt auf, dass der Tod eines Tyrannen nicht automatisch das Ende der Knechtschaft bedeutet, da die Macht lediglich den Besitzer wechselt und das Volk weiterhin unterdrückt bleibt. Heine vergleicht das Volk mit einem Pferd, das angeschirrt am Karren bleibt und dessen Nacken gebrochen wird, wenn es sich nicht den Jochen bequemt. Dies verdeutlicht die Ausweglosigkeit und die fortwährende Unterdrückung der Menschen. Im zweiten Teil des Gedichts richtet sich König David mit seinen letzten Worten an seinen Sohn Salomo. Er empfiehlt ihm seinen General Joab, der ihm selbst seit Jahren fatal gewesen sei. David gesteht, dass er es nie gewagt habe, den verhassten Joab ernsthaft anzutasten. Nun überträgt er seinem Sohn die Aufgabe, Joab umzubringen. Dies zeigt die kaltblütige und machthungrige Natur Davids, der auch im Angesicht des Todes nur an seine eigene Macht und an die Beseitigung von Rivalen denkt. Heine kritisiert in diesem Gedicht die fortwährende Unterdrückung und die Rücksichtslosigkeit der Herrschenden. Er zeigt auf, dass der Tod eines Tyrannen nicht automatisch das Ende der Unterdrückung bedeutet und dass die Herrschenden auch im Angesicht des Todes nur an ihre eigene Macht und an die Beseitigung von Rivalen denken. Das Gedicht ist eine scharfe Kritik an der Willkürherrschaft und der Ausweglosigkeit der Unterdrückten.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Ironie
Sterbend spricht zu Salomo König David: Apropos das ich Joab dir empfehle
Metapher
Armes Volk! wie Pferd und Farrn bleibt es angeschirrt am Karrn
Personifikation
wechselt Willkür nur die Hände
Vergleich
Armes Volk! wie Pferd und Farrn
Vorahnung
und es wird dir leicht gelingen jenen Joab umzubringen