König Alfred
1851Der Däne haust mit Mord und Brand In Wessex und Northumberland: Held Alfred irrt im eignen Reich Umher, dem flüchtgen Hirsche gleich.
Bei Wolf und Elen tief im Wald, Da nimmt er seinen Aufenthalt, Da sammelt er, im Schutz der Nacht, Ein neues Heer zu neuer Schlacht.
Und als die Seinen kampfbereit, Da legt er an ein Harfnerkleid: In’s Dänenlager will er gehn Des Feindes Schwächen auszuspähn.
Schon tritt er kühn, die Harf’ im Arm, Vor König Guthrums Zecherschwarm, Bald in der Becher Kling und Klang Tönt Konig Alfreds Schlachtgesang.
Er singt von jenem Zechermahl, Wo statt der Becher Stahl an Stahl In Lüften klirrt, und Schild an Schild, - Wo Blut statt Wein in Strömen quillt.
Er singt von jenem Zechermahl, Wo “Tod” den schäumenden Pokal Kredenzt, und jeder der da trinkt Für alle Zeit zu Boden sinkt.
Von seiner Ahnen Kraft und Krieg, Von Hengist und dem Stamford-Sieg, Von Eglesford, wo Horsa fiel, - Singt er ein Lied zum Saitenspiel.
Der Dänenkönig aber lacht Wohl ob der Sachsen Muth und Macht, Er lacht, und hört nicht wie das Lied Der Raben schon die Luft durchzieht.
Er zecht und jubelt noch im Zelt, Als schon der siegessichre Held Mit Schild und Speer in’s Lager dringt, Und neue Schlachtgesänge singt.
Und wilder jetzt in Feindesreihn Greift er, als in die Harf’ hinein, Und spielt, daß Sait’ um Saite springt, Und Schrei um Schrei gen Himmel dringt.
Des Liedes lacht der Däne nicht, Das klingenscharf zum Herzen spricht, Gen Jütland jagt er über’s Meer Ihn, ohne Rast und - ohne Heer.
In Wessex und Northumberland Herrscht wieder König Alfreds Hand, Und heimwärts lenkt des Dänen Kiel, Denkt er an Alfreds Saitenspiel.
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Interpretation
Das Gedicht "König Alfred" von Theodor Fontane schildert die Geschichte des angelsächsischen Königs Alfred, der gegen die dänischen Invasoren kämpft. Es beginnt mit der Beschreibung der Verwüstungen, die die Dänen in Wessex und Northumberland anrichten, während König Alfred wie ein gejagtes Reh durch sein eigenes Reich irrt. In der Einsamkeit des Waldes sammelt er bei Nacht ein neues Heer, um sich der dänischen Bedrohung zu stellen. Um die Schwächen des Feindes auszuspähen, verkleidet sich Alfred als Harfner und wagt sich in das dänische Lager. Vor König Guthrum und dessen Gefolgsleuten spielt und singt er Lieder, die von den Heldentaten seiner Vorfahren und den vergangenen Schlachten erzählen. Dabei verwendet er eine doppelte Bedeutungsebene: Während die Dänen seine Lieder als Unterhaltung wahrnehmen, sind sie für die Sachsen eine Aufforderung zum Kampf und ein Zeichen der Hoffnung. Der Dänenkönig lacht über die Kühnheit und Stärke der Sachsen, ohne zu bemerken, dass die Lieder bereits die Vorbereitung auf den bevorstehenden Angriff sind. Während er noch im Zelt feiert, dringt der siegessichere Alfred mit Schild und Speer in das Lager ein und beginnt die Schlacht. Er kämpft mit wilder Entschlossenheit, und seine Lieder verwandeln sich in Schlachtrufe, die durch die Luft hallen. Die Dänen erkennen zu spät die wahre Bedeutung der Lieder und werden besiegt. Ohne Heer und ohne Rast fliehen sie über das Meer nach Jütland zurück. König Alfred hat sein Reich zurückerobert, und die dänischen Invasoren müssen an die Macht seiner Harfensaiten denken, die den Anstoß zum Sieg gegeben haben.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Wo statt der Becher Stahl an Stahl In Lüften klirrt
- Bildsprache
- Bald in der Becher Kling und Klang Tönt Konig Alfreds Schlachtgesang
- Enjambement
- Bei Wolf und Elen tief im Wald, Da nimmt er seinen Aufenthalt
- Hyperbel
- Und spielt, daß Sait' um Saite springt, Und Schrei um Schrei gen Himmel dringt
- Ironie
- Der Dänenkönig aber lacht Wohl ob der Sachsen Muth und Macht
- Kontrast
- Wo Blut statt Wein in Strömen quillt
- Metapher
- Held Alfred irrt im eignen Reich Umher, dem flüchtgen Hirsche gleich
- Personifikation
- Da legt er an ein Harfnerkleid
- Reimschema
- Brand - gleich, Wald - Schlacht, gehn - spähn, Arm - Schwarm, Klang - Gesang
- Symbolik
- Von seiner Ahnen Kraft und Krieg
- Vergleich
- Held Alfred irrt im eignen Reich Umher, dem flüchtgen Hirsche gleich
- Vorahnung
- Und wilder jetzt in Feindesreihn Greift er, als in die Harf' hinein
- Wiederholung
- Er singt von jenem Zechermahl