Kölnisches Volkslied
1787Der Preuß’ der ist ein Lotterbub, Sagt er so - zu Köln am Rheine Saßen da drei Bauern In grüner Gartenlauben Auf der Bank zu Weine. Er hat des Geldes nie genug, Ich wollt er krieg’ die Kränke, Muß hoch am Galgen hängen.
Der Bohnenfarz mit seiner List, Sagt er so - zu Köln am Rheine Saßen da drei Bauern In grüner Gartenlauben Auf der Bank zu Weine. Hat sie all’ in seinem Strick, Zahlt er hie, zahlt er da, Findet Schelmen überall.
Der Ruß’ der ist mir auch ein Geck, Sagt er so - zu Köln am Rheine Saßen da drei Bauern In grüner Gartenlauben Auf der Bank zu Weine. O was kriegt’ der da für Schläg’, Ich wollt’ er hätt’ noch mehr gekriegt, Tanzt er da, ist gar kein Russe nicht.
Ja, unser Kaiser ist geschlagen, Sagt er so - zu Köln am Rheine Saßen da drei Bauern In grüner Gartenlauben Auf der Bank zu Weine. Das müssen wir Kölner alle klagen, Gott woll’ ihn ewig stärken, Ihm das Röm’sche Reich wieder unterwerfen.
Soll nur die Stadt Köln bestahn, Sagt er so - zu Köln am Rheine Saßen da drei Bauern In grüner Gartenlauben Auf der Bank zu Weine, Mögen sie alle zum Teufel gahn, Doch der Franzos’ zu allererst, Daß der in der Höll’ gebraten werd'!
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Interpretation
Das Gedicht "Kölnisches Volkslied" von Friedrich Schlegel ist eine satirische Auseinandersetzung mit den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen seiner Zeit. Es kritisiert die Herrschaft und das Verhalten verschiedener Nationen und deren Einfluss auf die Stadt Köln. Im ersten Teil des Gedichts wird der Preuße als gieriger und habgieriger Mensch dargestellt, der nie genug Geld bekommt und letztendlich am Galgen hängen sollte. Der Bohnenfarz, vermutlich eine Anspielung auf einen politischen Akteur, wird als listig und betrügerisch beschrieben, der alle in seinen "Strick" nimmt und überall Schabernack treibt. Der Russe wird als dummer und gewalttätiger Mensch dargestellt, der Prügel verdient und nicht einmal als Russe erkannt wird. Der Kaiser, möglicherweise Napoleon Bonaparte, wird als geschlagen und besiegt dargestellt, wobei die Kölner alle klagen und Gott bitten, ihn zu stärken und ihm das Römische Reich wieder zu unterwerfen. Im letzten Teil des Gedichts wird die Stadt Köln als Zielscheibe des Hasses und der Verachtung dargestellt. Die Franzosen werden als besonders verhasst beschrieben und sollen in die Hölle geschickt werden. Insgesamt ist das Gedicht eine scharfe Kritik an den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen der Zeit und ein Ausdruck des Unmuts und der Frustration der Bevölkerung.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Sagt er so - zu Köln am Rheine
- Wiederholung
- Saßen da drei Bauern / In grüner Gartenlauben / Auf der Bank zu Weine