Kneipe

Peter Hille

1854

Zu Düsseldorf am Rheine, Da musiziert ein Haus, Wie wirft es seine Scheine So spät und ganz alleine Hin über weiche Fluten Und in die Nacht hinaus.

Und in dem alten Hause Ein Trio findest du, Trepphoch die Bauernklause: Das Auge bohrt das grause - Das ist allein das Eine - Die Geig′ geht immerzu.

Ein jammerstumm Gequäle, Von allen Lastern krank Hintastend Blickgeschwehle Ein Ächzen in der Seele - Gesund nur ist die Fiedel, Und Hölle schlürft den Trank.

Ein Barde da der zweite, Die Feder am Barett, Tritt hin zu seiner Seite, Sein Wams spannt in die Weite: Ein deutscher Strom sein Singen, Ein Strom nur etwas fett.

Sonst recht ein Minnesänger Aus bunter Ritterzeit, So recht ein Herzbedränger, Ein Güldendankempfänger In blauen Lockenprächten - So frank, so frei, so weit.

Des Sinnes frohe Freite Das blaue Auge warm, Und ist ein Hochgeschreite, Viel kühne Nackenbreite, Die Glieder Mannesblüte, Leicht, gut und ohne Harm.

Und neben Mährens Sohne Am kleinen Tisch zu dritt, Der trägt die Bürgerkrone, Von Leichtsinn keine Bohne, Der pustet Klarinette, Trinkt dann gemessen mit.

Schwarz Buckel mit Manschetten Setzt zu den Gästen sich, Goldköpfig hochadretten, In Themis Wagenwetten, Als Advokat verschlagen, Hochausbesitzerlich.

Agrarierzähren flossen Als wie ein goldner Bach, Noch eilig hingegossen, Um zweie wird geschlossen, Die Kellner gehn und räumen Man fährt aus jähen Träumen -

Jach empor.

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Illustration zu Kneipe

Interpretation

Das Gedicht "Kneipe" von Peter Hille schildert eine nächtliche Szene in einer Gaststätte am Rhein in Düsseldorf. Es beschreibt die Atmosphäre des Lokals und die verschiedenen Charaktere, die sich dort aufhalten. Das erste Strophenpaar zeichnet das Bild einer einsamen Kneipe, die spät in der Nacht ihre Lichter über den Fluss und in die Dunkelheit wirft. Im zweiten Paar wird das Innere des Hauses beschrieben, wo sich ein Trio musikalisch betätigt. Die "Bauernklause" und das bohrende Auge deuten auf eine rustikale, vielleicht etwas düstere Atmosphäre hin. Die folgenden Strophen stellen die drei Musiker genauer vor. Der erste ist ein Geiger, der scheinbar unter körperlichen und seelischen Leiden leidet, aber dennoch weiter spielt. Der zweite ist ein Barde, der mit seiner Feder im Barett und seinem weit gespannten Wams auftritt. Er singt wie ein deutscher Strom, wenn auch etwas "fett". Der dritte Musiker, der neben dem "Mährens Sohn" sitzt, trägt die "Bürgerkrone" und pustet Klarinette. Er ist maßvoll beim Trinken. Die letzte Strophe bringt noch einen weiteren Gast ins Spiel, der sich mit "Manschetten" und "Goldköpfen" schmückt und als Advokat auftritt. Nachdem "agrarierzähren" wie ein goldener Bach geflossen sind, werden zwei Personen hinausgeworfen, die Kellner räumen auf und die Gäste fahren aus ihren plötzlichen Träumen auf - "Jach empor".

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Viel kühne Nackenbreite
Metapher
Agrarierzähren flossen
Personifikation
Wie wirft es seine Scheine
Vergleich
Als wie ein goldner Bach