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Klimps

Von

Der alte fromme Klimps, bei jedem Bissen Brot,
Den er genoß, sprach: Segne Gott!
Den schönen Spruch nicht halb zu lassen, sprach
Und stirb! sein frommes Weib mit Hiobs Weib′ ihm nach.

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Gedicht: Klimps von Gotthold Ephraim Lessing

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Klimps“ von Gotthold Ephraim Lessing ist eine pointierte Miniatur, die auf humorvolle Weise einen Gegensatz zwischen frommem Schein und wirklichem Glauben aufzeigt. Es zeichnet sich durch seine Kürze und Prägnanz aus, wodurch die Botschaft unmittelbar erfassbar wird. Die gewählte Form – ein Vierzeiler – unterstützt diese Direktheit und erinnert in ihrer Knappheit an eine Anekdote oder einen Witz.

Der erste Teil des Gedichts beschreibt Klimps, einen frommen Mann, der vor jeder Mahlzeit ein Gebet spricht. Die wiederholte Erwähnung dieses frommen Rituals, „bei jedem Bissen Brot“, deutet auf eine Gewohnheit hin, die den Anschein von Frömmigkeit erwecken soll. Doch diese äußere Form des Glaubens wird im zweiten Teil des Gedichts konterkariert.

Der Wendepunkt kommt durch die Reaktion von Klimps’ Frau. Als er „und stirb!“ nach seinem Gebet ausspricht, zeigt sie, dass sie ihm in seinem frommen Tun nicht wirklich nachfolgt. Der Ausruf „mit Hiobs Weib′ ihm nach“ spielt auf die biblische Figur Hiob und dessen Frau an. Hiobs Frau, die ihn ermutigte, Gott zu verfluchen, ist ein Beispiel für mangelnden Glauben und eine Herausforderung an die Frömmigkeit. Indem Lessing Klimps’ Frau in diese Kategorie einordnet, deutet er an, dass auch Klimps’ Frömmigkeit oberflächlich ist.

Die Kernaussage des Gedichts liegt in der Ironie. Klimps’ tägliches Gebet und die daraus resultierende Frömmigkeit werden durch den Todwunsch an seine Frau entlarvt. Das Gedicht kritisiert also eine Heuchelei, die in der Praxis und in den Wünschen des frommen Mannes zum Vorschein kommt. Lessing hinterfragt damit die Echtheit frommer Praktiken und stellt die Frage nach der wahren Motivation hinter religiösen Handlungen.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.