Kleinigkeiten

Friedrich von Schiller

1751

Der epische Hexameter

Schwindelnd trägt er dich fort auf rastlos auf strömenden Wogen, Hinter dir siehst du, du siehst vor dir nur Himmel und Meer.

Das Distichon

Im Hexameter steigt des Springquells flüssige Säule, Im Pentameter drauf fällt sie melodisch herab.

Die achtzeilige Stanze

Stanze, dich schuf die Liebe, die zärtlich schmachtende - drei Mal Fliehest du schamhaft und kehrst drei Mal verlangend zurück.

Der Obelisk

Aufgerichtet hat mich auf hohem Gestelle der Meister. Stehe, sprach er, und ich steh′ ihm mit Kraft und mit Lust.

Der Triumphbogen

Fürchte nicht, sagte der Meister, des Himmels Bogen; ich stelle Dich unendlich, wie ihn, in die Unednlichkeit hin.

Die schöne Brücke

Unter mir, über mir rennen die Wellen, die Wagen, und gütig Gönnte der Meister mir selbst, auch mit hinüber zu gehn.

Das Tor

Schmeichelnd locke das Tor den Wilden herein zum Gesetze; Froh in die freie Natur führ′ es den Bürger heraus!

Die Peterskirche

Suchst du das Unermessliche hier, du hast dich geirret: Meine Größe ist die, größer zu machen dich selbst.

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Illustration zu Kleinigkeiten

Interpretation

Das Gedicht "Kleinigkeiten" von Friedrich von Schiller beschäftigt sich mit verschiedenen poetischen Formen und Strukturen. Es beginnt mit dem epischen Hexameter, der den Leser auf rastlosen Wogen mit sich trägt und nur Himmel und Meer vor Augen hat. Das Distichon folgt, bei dem der Hexameter den Aufstieg einer Quelle beschreibt, während der Pentameter den melodischen Fall darstellt. Die achtzeilige Stanze wird als Schöpfung der Liebe dargestellt, die schüchtern flieht und doch zurückkehrt. Der Obelisk symbolisiert Stärke und Lust, aufgerichtet von einem Meister, der ihm befiehlt zu stehen. Der Triumphbogen wird als unendliches Werk beschrieben, das der Meister in die Unendlichkeit stellt. Die schöne Brücke ermöglicht es dem Meister, selbst mit hinüberzugehen, während das Tor den Wilden zum Gesetz und den Bürger zur freien Natur führt. Die Peterskirche wird als Ort des Unermesslichen dargestellt, wobei der Sprecher betont, dass seine Größe darin besteht, den Besucher selbst größer zu machen.

Schlüsselwörter

meister hexameter siehst stanze drei selbst tor epische

Wortwolke

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Stilmittel

Anspielung
Die 'Peterskirche' als Anspielung auf das Monument und die Idee, dass Größe darin besteht, andere zu vergrößern.
Bildsprache
Die Beschreibung des Hexameters als 'des Springquells flüssige Säule' und des Pentameters als 'melodisch herabfallend'.
Direkte Rede
Die Worte des Meisters in 'Der Obelisk', 'Der Triumphbogen' und 'Die schöne Brücke'.
Hyperbel
Die Beschreibung des 'Triumphbogens' als 'unendlich' in die Unendlichkeit gestellt.
Ironie
Die Idee, dass das Tor sowohl den 'Wilden' zum Gesetz als auch den 'Bürger' in die Natur führt, was eine ironische Umkehrung der Erwartungen sein könnte.
Kontrast
Der Kontrast zwischen 'Unter mir, über mir' in der Beschreibung der Brücke.
Metapher
Der epische Hexameter wird als 'Schwindelnd' und 'rastlos auf strömenden Wogen' beschrieben, was eine metaphorische Reise darstellt.
Personifikation
Die Stanze wird als von der Liebe geschaffen und als 'schamhaft' und 'verlangend' beschrieben.
Symbolik
Der 'Obelisk' als Symbol für Erhebung und Stärke.