Kleine Stadt

Ernst Stadler

1914

Die vielen kleinen Gassen, die die langgestreckte Hauptstraße überqueren, Laufen alle ins Grüne. Überall fängt Land an. Überall strömt Himmel ein und Geruch von Bäumen und der starke Duft der Äcker. Überall erlischt die Stadt in einer feuchten Herrlichkeit von Wiesen, Und durch den grauen Ausschnitt niedrer Dächer schwankt Gebirge, über das die Reben klettern, die mit hellen Stützen in die Sonne leuchten. Darüber aber schließt sich Kiefernwald: der stößt Wie eine breite dunkle Mauer an die rote Fröhlichkeit der Sandsteinkirche. Am Abend, wenn die Fabriken schließen, ist die große Straße mit Menschengefüllt. Sie gehen langsam oder bleiben mitten auf der Gasse stehn. Sie sind geschwärzt von Arbeit und Maschinenruß. Aber ihre Augen tragen Noch Scholle, zähe Kraft des Bodens und das feierliche Licht der Felder.

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Illustration zu Kleine Stadt

Interpretation

Das Gedicht "Kleine Stadt" von Ernst Stadler beschreibt eine idyllische Kleinstadt, die von Natur und ländlicher Umgebung umgeben ist. Die Gassen führen ins Grüne, überall beginnt das Land, und der Himmel sowie der Duft von Bäumen und Äckern strömen ein. Die Stadt erlischt in einer feuchten Herrlichkeit von Wiesen, während Gebirge mit Reben und Kiefernwald die Kulisse bilden. Die rote Fröhlichkeit der Sandsteinkirche kontrastiert mit der dunklen Mauer des Waldes. Am Abend, wenn die Fabriken schließen, füllt sich die große Straße mit Menschen. Sie gehen langsam oder bleiben mitten auf der Gasse stehen. Obwohl sie von Arbeit und Maschinenruß geschwärzt sind, tragen ihre Augen noch die Scholle, die zähe Kraft des Bodens und das feierliche Licht der Felder. Dies deutet darauf hin, dass die Menschen trotz ihrer schmutzigen Arbeit noch eine Verbindung zur Natur und zur ländlichen Umgebung haben. Das Gedicht vermittelt eine harmonische Verbindung zwischen Stadt und Land, Arbeit und Natur. Es zeigt, wie die Kleinstadt in die umgebende Landschaft eingebettet ist und wie die Menschen, trotz ihrer schmutzigen Arbeit in den Fabriken, noch eine tiefe Verbundenheit zur Natur und zum Boden haben. Die Bilder von Reben, Kiefernwald und der Sandsteinkirche schaffen eine malerische Szenerie, die den Leser in die beschriebene Kleinstadt eintauchen lässt.

Schlüsselwörter

überall vielen kleinen gassen langgestreckte hauptstraße überqueren laufen

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Stilmittel

Metapher
Aber ihre Augen tragen Noch Scholle, zähe Kraft des Bodens und das feierliche Licht der Felder
Personifikation
Überall strömt Himmel ein und Geruch von Bäumen