Kleine Fabel
1924»Ach«, sagte die Maus, »,die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, daß ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, daß ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, daß ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.« - »Du mußt nur die Laufrichtung ändern«, sagte die Katze und fraß sie.
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Interpretation
Das Gedicht "Kleine Fabel" von Franz Kafka handelt von einer Maus, die das Gefühl hat, dass die Welt um sie herum immer enger wird. Die Maus beschreibt, wie sie anfangs noch frei und unbeschwert durch eine weite Welt lief, aber mit der Zeit Mauern auftauchten, die sich immer weiter aufeinander zu bewegten. Am Ende findet sich die Maus in einem Zimmer wieder, in dem sich eine Falle befindet, in die sie hineinläuft. Die Maus in der Fabel steht symbolisch für den Menschen, der sich in einer immer restriktiveren und bedrohlicheren Umwelt gefangen fühlt. Die Mauern symbolisieren die Begrenzungen und Zwänge, denen der Mensch ausgesetzt ist. Die Falle am Ende steht für das unausweichliche Ende, das den Menschen in einer solchen Welt droht. Die Katze, die der Maus rät, die Laufrichtung zu ändern, symbolisiert diejenigen, die dem Menschen vorgeblich helfen wollen, aber in Wahrheit nur ihr eigenes Interesse verfolgen. Die Katze frisst die Maus am Ende, was zeigt, dass es in einer solchen Welt keine wirkliche Hilfe gibt und der Mensch letztlich allein gelassen wird mit seinem Schicksal. Kafka kritisiert mit der Fabel die zunehmende Vereinzelung und Entfremdung des Menschen in der modernen Welt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Ironie
- »Du mußt nur die Laufrichtung ändern«, sagte die Katze und fraß sie
- Metapher
- »Ach«, sagte die Maus, »die Welt wird enger mit jedem Tag.
- Personifikation
- daß ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah
- Symbolik
- und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe