Klagen

Heinrich Christian Boie

1800

Deines Haines Finsternisse, Oede Wildniss, sucht mein Schmerz. Lindrung, ach! und Ruhe gieße Dieses grauen mir ins Herz.

Jeder Freude bin ich müde, Jedes Glück ist mir verhaßt; Hin ist meines Lebens Friede Und ich bin mir eine Last.

Berget ihr vielleicht, ihr Bäume, Meine Rosilis? ich Thor! Der ich stets zu sehn sie träumte, Die ich ewig doch verlor.

Einst in diesen süßen Schatten Sah ich sie an diesem Quell - Stunden, wie nur wir sie hatten, O wie flohet ihr so schnell!

Laßt mir Trost entgegen wehen, Büsche, Zeugen meiner Pein! Werd ich je sie wiedersehen? Echo seufzet traurig Nein!

Ha! was flüstert durch den düstern Grauenvollen Aufenthalt? Ihre Stimme scheint zu flüstern, Sagt sie mir: Ich komme bald?

Nein! es wälzet zwischen Steinen Seine Wellen dort ein Bach, Hemmt sein rauschen, sieht mich weinen, Aechzet mir aus Mitleid nach.

Doch sie wird einst wiederkehren, Wird den Wankelmuth bereun, Aber dann vergebens Thränen Meiner kalten Asche weihn.

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Illustration zu Klagen

Interpretation

Das Gedicht "Klagen" von Heinrich Christian Boie handelt von tiefem Schmerz und Sehnsucht nach einer verlorenen Liebe namens Rosilis. Der Sprecher durchlebt eine emotionale Dunkelheit, die von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit geprägt ist. Die Natur, in der sich der Sprecher befindet, spiegelt seinen inneren Zustand wider: düster, öde und unheimlich. Er sucht Trost und Ruhe, findet jedoch nur noch Trauer und Einsamkeit. Der Sprecher erinnert sich an vergangene glückliche Momente mit Rosilis, die nun unwiederbringlich verloren sind. Die Zeit ist für ihn zur Qual geworden, da er die schönen Stunden, die er mit ihr verbracht hat, nicht mehr zurückholen kann. Die Natur um ihn herum, die einst Zeuge ihrer Liebe war, kann ihm keinen Trost spenden. Selbst das Echo antwortet mit einem traurigen "Nein" auf die Frage, ob er Rosilis jemals wiedersehen wird. Am Ende des Gedichts gibt es eine bittere Erkenntnis: Rosilis wird zwar zurückkehren, aber es wird zu spät sein. Der Sprecher wird bereits gestorben sein, und seine Asche wird vergeblich auf ihre Tränen warten. Das Gedicht endet mit einer tiefen Resignation und der Erkenntnis, dass die verlorene Liebe niemals wiedergutzumachen ist.

Schlüsselwörter

einst haines finsternisse oede wildniss sucht schmerz lindrung

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
O wie flohet ihr so schnell!
Anapher
Jeder Freude bin ich müde, Jedes Glück ist mir verhaßt
Hyperbel
Ich bin mir eine Last
Ironie
Aber dann vergebens Thränen Meiner kalten Asche weihn
Metapher
Ha! was flüstert durch den düstern Grauenvollen Aufenthalt?
Personifikation
Seine Wellen dort ein Bach
Rhetorische Frage
Berget ihr vielleicht, ihr Bäume, Meine Rosilis?
Vorausdeutung
Doch sie wird einst wiederkehren, Wird den Wankelmuth bereun