Klage

Hedwig Lachmann

1919

Ich gleite wie ein Schatten an den Rändern, Die schroff gebuchtet in das Drüben ragen, Und seh die Hängebrücken aufgeschlagen, Endlos und schmal, mit schwankenden Geländern.

Es flieht der Tag, das Sonnenlicht wird blässer, In Dämmerung und Nebel sinkt die Küste. Die Flut stürzt sich hinunter vom Gerüste Und wälzt sich fort in endlose Gewässer.

Und eine Flucht am Strand und auf den Brücken, Hinan, zurück, und wieder hin zur Ferne. Und drüber liegt der Himmel ohne Sterne, Und Sturm erhebt sich säulenstarr im Rücken.

Mit dumpfen Schlägen mühen sich die Ruder - Mich treibt die Angst, ich selber will mich bergen Und klammre mich in Not an einen Fergen: Im Sturm dein Boot, gib mir die Hand, o Bruder!

So gleit ich wie ein Schatten an den Rändern, Die schroff gebuchtet in das Drüben ragen, Und seh die Hängebrücken aufgeschlagen, Endlos und schmal, mit schwankenden Geländern.

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Illustration zu Klage

Interpretation

Das Gedicht "Klage" von Hedwig Lachmann handelt von einer tiefen existenziellen Angst und der Suche nach Halt und Gemeinschaft in einer bedrohlichen und ungewissen Welt. Die lyrische Ich-Figur gleitet wie ein Schatten entlang gefährlicher Ränder und beobachtet Hängebrücken, die ins Ungewisse führen. Die Atmosphäre ist von Dunkelheit, Nebel und Sturm geprägt, was die bedrohliche Stimmung verstärkt. Die Fluchtbewegungen am Strand und auf den Brücken symbolisieren die Unruhe und Orientierungslosigkeit des Ichs. Die Angst treibt die lyrische Figur dazu, sich an einen "Fergen" zu klammern, der als Bootsführer im Sturm Schutz bieten soll. Der Hilferuf "gib mir die Hand, o Bruder!" verdeutlicht die Sehnsucht nach menschlicher Nähe und Solidarität in einer ausweglosen Situation. Das Gedicht endet mit der Wiederholung der ersten Strophe, was die Endlosigkeit des Leidens und die Unfähigkeit, der bedrohlichen Situation zu entkommen, unterstreicht. Insgesamt vermittelt das Gedicht ein Gefühl von tiefer Verzweiflung, Einsamkeit und der Suche nach Halt in einer chaotischen und bedrohlichen Welt. Die Bilder von Dunkelheit, Sturm und gefährlichen Brücken symbolisieren die existenzielle Angst und die Suche nach Gemeinschaft und Schutz.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Bildsprache
Und wälzt sich fort in endlose Gewässer
Metapher
Im Sturm dein Boot, gib mir die Hand, o Bruder!
Onomatopoesie
Mit dumpfen Schlägen mühen sich die Ruder
Personifikation
Und Sturm erhebt sich säulenstarr im Rücken
Wiederholung
So gleit ich wie ein Schatten an den Rändern