Klage (2)

Georg Trakl

1914

Jüngling aus kristallnem Munde Sank dein goldner Blick ins Tal; Waldes Woge rot und fahl In der schwarzen Abendstunde. Abend schlägt so tiefe Wunde!

Angst! des Todes Traumbeschwerde, Abgestorben Grab und gar Schaut aus Baum und Wild das Jahr; Kahles Feld und Ackererde. Ruft der Hirt die bange Herde.

Schwester, deine blauen Brauen Winken leise in der Nacht. Orgel seufzt und Hölle lacht Und es faßt das Herz ein Grauen; Möchte Stern und Engel schauen.

Mutter muß ums Kindlein zagen: Rot ertönt im Schacht das Erz, Wollust, Tränen, steinern Schmerz, Der Titanen dunkle Sagen. Schwermut! einsam Adler klagen.

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Interpretation

Das Gedicht "Klage (2)" von Georg Trakl ist ein expressionistisches Werk, das eine düstere und melancholische Stimmung vermittelt. Es thematisiert den Verfall und die Vergänglichkeit der Natur sowie die damit verbundene Trauer und Angst. Der Dichter verwendet eine reiche, bildhafte Sprache, um die emotionale Tiefe und Komplexität der menschlichen Erfahrung zu erforschen. In der ersten Strophe wird ein junger Mann beschrieben, dessen goldener Blick in ein Tal sinkt. Die Natur wird als krank und sterbend dargestellt, mit roten und fahlen Wellen im Wald und einer tiefen Wunde, die der Abend schlägt. Die zweite Strophe verstärkt diese düstere Stimmung, indem sie den Tod und die Angst als Traumbeschwerde beschreibt. Die Natur wird als kahl und tot dargestellt, und der Hirte ruft seine Herde zusammen, um sie vor der Gefahr zu schützen. Die dritte Strophe führt eine Schwester ein, die mit ihren blauen Brauen in der Nacht winkt. Die Atmosphäre wird durch das Seufzen der Orgel und das Lachen der Hölle noch unheimlicher. Der Sprecher sehnt sich danach, Sterne und Engel zu sehen, um dem Grauen zu entfliehen. Die letzte Strophe zeigt eine Mutter, die um ihr Kind fürchtet, während das Erz im Schacht rot ertönt. Die Titanensagen und die Einsamkeit der Adler tragen zur allgemeinen Schwermut bei.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Waldes Woge rot und fahl
Allusion
Der Titanen dunkle Sagen
Bildsprache
Abend schlägt so tiefe Wunde
Hyperbel
Möchte Stern und Engel schauen
Kontrast
Orgel seufzt und Hölle lacht
Metapher
Jüngling aus kristallnem Munde
Personifikation
Angst! des Todes Traumbeschwerde
Symbolik
Rot ertönt im Schacht das Erz