Kirchenumbau
unknown(Bei modernem Gutswechsel)
Spricht der Polier: »Nu bloß noch das eine: Herr Schultze, wohin mit die Leichensteine? Die meisten, wenn recht ich gelesen habe, Waren alte Nonnen aus ›Heiligen Grabe‹.«
»Und Ritter?«
»Nu Ritter, ein Stücker sieben, Ich hab ihre Namens aufgeschrieben, Bloß, wo sie gestanden, da sind ja nu Löcher: 1 Bredow, 1 Ribbeck, 2 Rohr, 3 Kröcher, Wo soll′n wir mit hin? wo soll ich sie stell′n? «
»Stellen? Nu gar nich. Das gibt gute Schwelln, Schwellen für Stall und Stuterei, Da freun sich die Junkers noch dabei.«
»Und denn, Herr Schultze, dicht überm Altar Noch so was vergoldigt Kattolsches war, Maria mit Christkind … Es war doch ein Jammer.«
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Interpretation
Das Gedicht "Kirchenumbau" von Theodor Fontane beschreibt den Abriss einer alten Kirche und die damit verbundene Zerstörung historischer Grabsteine und religiöser Symbole. Es zeigt den Konflikt zwischen moderner Nutzung und historischer Bedeutung. In der Interpretation des Gedichts wird deutlich, dass der Umbau der Kirche von einem Polier geleitet wird, der die Grabsteine und Symbole als Hindernisse für die Modernisierung betrachtet. Die Grabsteine werden als "Leichensteine" bezeichnet und sollen für den Bau von Ställen und Stutereien verwendet werden. Die historische Bedeutung und der Respekt vor den Verstorbenen treten in den Hintergrund. Das Gedicht kritisiert den Umgang mit historischen und religiösen Symbolen im Zuge von Modernisierungsmaßnahmen. Es verdeutlicht den Verlust von Tradition und kulturellem Erbe zugunsten einer utilitaristischen Nutzung. Die Zerstörung der Grabsteine und religiösen Symbole wird als "Jammer" bezeichnet, was auf die Trauer und den Schmerz über den Verlust hindeutet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Dialog
- Das gesamte Gedicht ist in Form eines Dialogs zwischen dem Polier und Herrn Schultze gestaltet, was eine dramatische Wirkung erzeugt.
- Ironie
- Die Idee, die Steine als 'Schwellen für Stall und Stuterei' zu verwenden, ist eine ironische Bemerkung über den Wertverlust der historischen Artefakte.
- Metapher
- Das vergoldigte katholische Bild wird als 'Kattolsches' bezeichnet, was eine metaphorische Verwendung des Adjektivs als Substantiv ist.
- Personifikation
- Die Steine werden als 'Leichensteine' bezeichnet, was ihnen eine menschliche Eigenschaft verleiht.