Kindlicher Feyertags-Wunsch
1738Geliebtes Eltern-Paar! Wem gleichet wohl die Zeit, Die jenen traurig macht, und diesen hoch erfreut? Den Nebel, Rauch und Wind und Schatten kan auf Erden Die Zeit an Nichtigkeit und Lauf verglichen werden. Ich weiß Ihr wehrtesten! Ihr denckt in eurem Sinn Mit mir: wie fliegt die Zeit so schnell, so bald dahin! Ein Jahr ist wiederum nun bald zu End gegangen, Gott sey gelobt vor das, was wir darin empfangen. Ein Jahr des Elends wird zugleich zurück gelegt. Die Christ-Lust, die der Herr in euer Hertz geprägt, Die wird Geliebteste! Euch stärcken, trösten, gründen, Daß Ihr in dieser Zeit werdt süsse Freude finden. So feyret denn vergnügt in Gott dieß heilge Fest, Das uns der Herr zum Heil und Glück erscheinen läßt, Legt es gesund zurück, und tretet mit Vergnügen Das Neue Jahr auch an. Der Höchste wolle fügen, Daß, Hochgeliebteste! sein Seegen aus der Höh, Und seine Lieb und Gnad stets um, und mit Euch geh. Es woll die Allmachtshand Euch schützen und begleiten, Und wieder eure Feind und alles Unglück streiten.
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Interpretation
Das Gedicht "Kindlicher Feyertags-Wunsch" von Sidonia Hedwig Zäunemann thematisiert die flüchtige Natur der Zeit und die damit verbundenen Gefühle von Traurigkeit und Freude. Die Zeit wird als vergänglich und verglichen mit Nichtigkeit beschrieben, was die Vergänglichkeit des Lebens und der Erfahrungen unterstreicht. Der Autor reflektiert über das vergangene Jahr, das sowohl Leiden als auch Segen gebracht hat, und betont die Bedeutung des Glaubens und der Christusliebe als Quelle der Stärke und des Trostes. Das Gedicht richtet sich an die Eltern und drückt den Wunsch aus, dass sie das Fest in Freude und Dankbarkeit feiern mögen. Die Christusliebe, die in ihren Herzen geprägt ist, soll sie stärken und trösten, damit sie in dieser Zeit süße Freude finden können. Der Autor ermutigt die Eltern, das neue Jahr mit Vergnügen und Zuversicht zu beginnen, in der Hoffnung, dass Gottes Segen und Gnade sie stets begleiten werden. Abschließend bittet der Autor um den Schutz und die Begleitung Gottes, dass seine Allmachtshand sie vor Feinden und Unglück bewahren möge. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Verbundenheit mit dem Glauben und den Wunsch nach einem gesegneten und glücklichen Leben im neuen Jahr.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Der Höchste wolle fügen
- Anapher
- Ein Jahr des Elends wird zugleich zurück gelegt. Die Christ-Lust, die der Herr in euer Hertz geprägt,
- Apostrophe
- Geliebtes Eltern-Paar!
- Hyperbel
- Und seine Lieb und Gnad stets um, und mit Euch geh.
- Imperativ
- So feyret denn vergnügt in Gott dieß heilge Fest
- Metapher
- Es woll die Allmachtshand Euch schützen und begleiten
- Personifikation
- Die wird Geliebteste! Euch stärcken, trösten, gründen
- Rhetorische Frage
- Wem gleichet wohl die Zeit, Die jenen traurig macht, und diesen hoch erfreut?
- Wunschform
- Daß, Hochgeliebteste! sein Seegen aus der Höh,