Kindheit

Rainer Maria Rilke

1905

Es wäre gut viel nachzudenken, um von so Verlornem etwas auszusagen, von jenen langen Kindheits-Nachmittagen, die so nie wiederkamen - und warum?

Noch mahnt es uns: vielleicht in einem Regnen, aber wir wissen nicht mehr was das soll; nie wieder war das Leben von Begegnen, von Wiedersehn und Weitergehn so voll

Wie damals, da uns nichts geschah als nur, was einem Ding geschieht und einem Tiere: da lebten wir, wie Menschliches, das Ihre

Es wäre gut viel nachzudenken, um von so Verlornem etwas auszusagen, von jenen langen Kindheits-Nachmittagen, die so nie wiederkamen - und warum?

Noch mahnt es uns: vielleicht in einem Regnen, aber wir wissen nicht mehr was das soll; nie wieder war das Leben von Begegnen, von Wiedersehn und Weitergehn so voll

Wie damals, da uns nichts geschah als nur, was einem Ding geschieht und einem Tiere: da lebten wir, wie Menschliches, das Ihre und wurden bis zum Rande voll Figur.

Und wurden so vereinsamt wie ein Hirt und so mit großen Fernen überladen und wie von weit berufen und berührt

und langsam wie ein langer neuer Faden in jene Bilder-Folgen eingeführt, in welchen nun zu dauern uns verwirrt.

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Illustration zu Kindheit

Interpretation

Das Gedicht "Kindheit" von Rainer Maria Rilke ist eine melancholische Reflexion über die verlorene Unschuld und die unbeschwerte Zeit der Kindheit. Es beginnt mit dem Gedanken, dass es gut wäre, über das Verlorene nachzudenken und davon zu sprechen, insbesondere über die langen Nachmittage der Kindheit, die nie wiederkehren. Der Sprecher fragt sich, warum diese Zeit so einzigartig und unersetzlich ist. Die zweite Strophe beschreibt, wie das Leben in der Kindheit voller Begegnungen, Wiedersehen und Weitergehen war, verglichen mit dem Leben eines Dinges oder Tieres, das einfach existiert, ohne viel zu erleben. Der Sprecher betont, dass das Leben damals so voll war, dass man bis zum Rande mit Figur gefüllt war, aber auch so vereinsamt wie ein Hirt, mit großen Fernen überladen und wie von weit berufen und berührt. Die letzte Strophe beschreibt, wie die Kindheit langsam in eine Folge von Bildern eingeführt wurde, in denen wir nun verwirrt verharren. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass die Kindheit eine Zeit des Übergangs war, in der wir uns langsam von der Unschuld und dem Unbewussten entfernten und in die Welt der Erwachsenen eintraten.

Schlüsselwörter

nie voll wäre gut viel nachzudenken verlornem auszusagen

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Stilmittel

Anapher
Es wäre gut viel nachzudenken, um von so Verlornem etwas auszusagen, von jenen langen Kindheits-Nachmittagen, die so nie wiederkamen - und warum?
Bildsprache
und so mit großen Fernen überladen
Metapher
und wie von weit berufen und berührt
Personifikation
Noch mahnt es uns: vielleicht in einem Regnen
Vergleich
und langsam wie ein langer neuer Faden