Kinderlachen
1866Mich hat ein Kinderlachen Gestreift mit seiner ganzen Lust - Was soll ich damit machen, Ich, aller Bitternis bewußt?
Es klang so leicht und helle, So arglos und so leidgefeit, Als jauchzt′ es auf der Schwelle Von großer Lebensherrlichkeit!
Mir ist sie nicht geworden, Die reich von guten Sternen rinnt - Sah Traum auf Traum nur morden, Und war doch auch ein solches Kind.
Hat′s nur an mir gelegen, Daß euer Lachen ich verlernt, Und daß von meinen Wegen Die beste Freude blieb entfernt?
Ich kann es nicht entscheiden, Entwirren nicht mit eigner Hand - Verschulden ja und Leiden Ist eng verschlungen ineinand.
Euch aber mag′s gelingen! Und selber ist mir′s nun, als müßt′ Ich an mein Ziel noch dringen, Weil euer Lachen mich geküßt.
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Interpretation
Das Gedicht "Kinderlachen" von Hanns von Gumppenberg beschäftigt sich mit der tiefen Wirkung eines Kinderlachens auf den lyrischen Ich. Das Lachen wird als eine "Lust" beschrieben, die den Sprecher berührt und ihm gleichzeitig die Frage aufwirft, was er mit dieser Freude anfangen soll, da er "aller Bitternis bewußt" ist. Das Kinderlachen wird als leicht, hell, arglos und leidgefeit dargestellt, als ob es vor der "großen Lebensherrlichkeit" jauchzt. Der Sprecher reflektiert über sein eigenes Leben, das ihm nicht die gleiche Freude und Leichtigkeit gebracht hat wie das Kinderlachen. Er erinnert sich an seine eigene Kindheit, in der er ebenfalls ein solches Kind war, aber im Laufe der Zeit Träume und Hoffnungen sterben sah. Der Sprecher fragt sich, ob er selbst daran schuld ist, dass er das Lachen verloren hat und die beste Freude von seinen Wegen ferngeblieben ist. Die Interpretation des Gedichts legt nahe, dass der Sprecher mit der Frage ringt, ob sein Unglück und der Verlust der Freude auf seine eigenen Entscheidungen oder auf äußere Umstände zurückzuführen sind. Er gesteht, dass er es nicht entscheiden oder entwirren kann, da Schuld und Leiden eng miteinander verwoben sind. Dennoch gibt es einen Hoffnungsschimmer, da der Sprecher sich wünscht, dass es anderen gelingen möge, Freude zu finden. Das Kinderlachen hat ihn inspiriert und ihm das Gefühl gegeben, dass er sein Ziel noch erreichen muss, als ob das Lachen ihn geküsst und ihm neuen Mut gegeben hätte.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- So leicht und helle
- Hyperbel
- Als jauchzt′ es auf der Schwelle / Von großer Lebensherrlichkeit
- Kontrast
- So arglos und so leidgefeit
- Metapher
- Weil euer Lachen mich geküßt
- Parallelismus
- Verschulden ja und Leiden / Ist eng verschlungen ineinand
- Personifikation
- Was soll ich damit machen
- Rhetorische Frage
- Hat′s nur an mir gelegen