Kinder am Ufer

Annette von Droste-Hülshoff

1848

O sieh doch! siehst du nicht die Blumenwolke Da drüben in dem tiefsten Weiherkolke? O! das ist schön! hätt′ ich nur einen Stecken, Schmalzweiße Kelch′ mit dunkelrothen Flecken, Und jede Glocke ist frisirt so fein Wie unser wächsern Engelchen im Schrein. Was meinst du, schneid′ ich einen Haselstab, Und wat′ ein wenig in die Furth hinab? Pah! Frösch′ und Hechte können mich nicht schrecken. - Allein, ob nicht vielleicht der Wassermann Dort in den langen Kräutern hocken kann? Ich geh, ich gehe schon - ich gehe nicht - Mich dünke, ich sah am Grunde ein Gesicht - Komm lass′ uns lieber heim, die Sonne sticht!

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Illustration zu Kinder am Ufer

Interpretation

Das Gedicht "Kinder am Ufer" von Annette von Droste-Hülshoff beschreibt die kindliche Faszination und Neugierde für die Natur. Die Kinder entdecken eine Blumenwolke im Weiher und sind von ihrer Schönheit begeistert. Sie überlegen, ob sie mit einem Haselstab in die Furth waten sollen, um die Blumen zu pflücken. Dabei spielen Ängste und Mut eine Rolle, da sie sich vor Fröschen, Hechten und dem Wassermann fürchten. Die Kinder sind hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, die Blumen zu pflücken, und der Angst vor den möglichen Gefahren im Wasser. Sie überlegen, ob sie einen Haselstab schneiden sollen, um in die Furth hinabzusteigen. Doch die Angst vor den Tieren im Wasser und dem Wassermann hält sie davon ab. Sie zögern und beschließen schließlich, lieber nach Hause zu gehen, da die Sonne sticht. Das Gedicht vermittelt die kindliche Neugierde und die Faszination für die Natur, aber auch die Ängste und Zweifel, die Kinder in solchen Situationen empfinden können. Es zeigt die kindliche Vorstellungskraft und die Auseinandersetzung mit möglichen Gefahren. Am Ende entscheiden sich die Kinder für die sichere Variante und kehren nach Hause zurück.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

Wortwolke zu Kinder am Ufer

Stilmittel

Ausruf
O! das ist schön!
Bildsprache
Mich dünke, ich sah am Grunde ein Gesicht
Hyperbel
Was meinst du, schneid′ ich einen Haselstab, Und wat′ ein wenig in die Furth hinab?
Metapher
O sieh doch! siehst du nicht die Blumenwolke
Personifikation
Allein, ob nicht vielleicht der Wassermann dort in den langen Kräutern hocken kann?
Vergleich
Jede Glocke ist frisirt so fein wie unser wächsern Engelchen im Schrein
Zweifel/Ambivalenz
Ich geh, ich gehe schon - ich gehe nicht -