Kind aus dem Volke

Wilhelm Arent

1885

Kind aus dem Volke so schlicht und rein, Hüte dich, hüte dich Blümelein! Bist so lieblich und zart von Gestalt, Uebst so süße Zaubergewalt … Bald ist der Liebe Knospe erwacht, Liebe kommt träumend und über Nacht. Heißer zum Herzen strömt dir das Blut, Deine Wang’ erglüh’t in Rosenglut. Dein Mund dem Kusse entgegenschwillt, Nur des Mannes Arm deine Sehnsucht stillt. Wild preßt du ihn an die wogende Brust, Du giebst dich hin im Taumel der Lust. Für ewig scheidet von dir das Glück, Nie kehrt deine Munterkeit zurück. In Thränen stirbt deiner Seele Mai, In düstrer Verzweiflung dein Todesschrei.

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Illustration zu Kind aus dem Volke

Interpretation

Das Gedicht "Kind aus dem Volke" von Wilhelm Arent erzählt die tragische Geschichte eines unschuldigen Mädchens, das durch die Liebe und Leidenschaft in die Irre geführt wird. Die Anfangsverse warnen das Mädchen, sich zu hüten, da es durch seine Schönheit und Unschuld eine starke Anziehungskraft auf andere ausübt. Die Metapher des Blümeleins unterstreicht die Verletzlichkeit und Zerbrechlichkeit des Mädchens. Die folgenden Verse beschreiben den Prozess der Reifung und des Erwachens der Liebe. Die Liebe kommt plötzlich und unerwartet, wie eine Knospe, die über Nacht aufblüht. Das Mädchen erlebt die ersten Anzeichen der Leidenschaft, wie das heiße Blut in ihren Adern und die Errötung ihrer Wangen. Ihr Mund sehnt sich nach dem Kuss, und sie findet Trost in den Armen eines Mannes. Die Verse vermitteln ein Gefühl der Hingabe und des Verlangens, das das Mädchen in einen Rausch der Lust versetzt. Im letzten Teil des Gedichts nimmt die Stimmung eine tragische Wendung. Das Mädchen gibt sich der Leidenschaft hin, aber dabei verliert es sein Glück und seine Unschuld. Die Metapher des sterbenden Mai symbolisiert das Ende der Jugend und der Freude. Die letzten Verse beschreiben den Todesschrei der Seele, der in dunkler Verzweiflung ertrinkt. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Tragik und des Verlustes, das den Leser nachdenklich stimmt über die Gefahren und Konsequenzen der Liebe.

Schlüsselwörter

hüte liebe kind volke schlicht rein blümelein lieblich

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Stilmittel

Metapher
In düsterer Verzweiflung dein Todesschrei
Personifikation
Liebe kommt träumend und über Nacht