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Kind aus dem Volke

Von

Kind aus dem Volke so schlicht und rein,
Hüte dich, hüte dich Blümelein!
Bist so lieblich und zart von Gestalt,
Uebst so süße Zaubergewalt …
Bald ist der Liebe Knospe erwacht,
Liebe kommt träumend und über Nacht.
Heißer zum Herzen strömt dir das Blut,
Deine Wang‘ erglüh’t in Rosenglut.
Dein Mund dem Kusse entgegenschwillt,
Nur des Mannes Arm deine Sehnsucht stillt.
Wild preßt du ihn an die wogende Brust,
Du giebst dich hin im Taumel der Lust.
Für ewig scheidet von dir das Glück,
Nie kehrt deine Munterkeit zurück.
In Thränen stirbt deiner Seele Mai,
In düstrer Verzweiflung dein Todesschrei.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Kind aus dem Volke von Wilhelm Arent

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Kind aus dem Volke“ von Wilhelm Arent zeichnet ein düsteres Bild der Liebeserfahrung für ein junges Mädchen aus dem Volk. Der Autor spricht das Kind direkt an und warnt es vor den Gefahren der Liebe und der damit verbundenen Konsequenzen. Die Sprache ist einfach und direkt, was die Eindringlichkeit der Warnung unterstreicht. Die Verwendung von Begriffen wie „Blümelein“ und die Betonung der Unschuld und Zartheit des Mädchens verstärken den Kontrast zur Härte der bevorstehenden Erfahrung.

Das Gedicht entfaltet sich in zwei Hauptabschnitten. Im ersten Teil wird die Schönheit und Anziehungskraft des Mädchens hervorgehoben, bevor die Liebe als unerwartete und überwältigende Kraft beschrieben wird, die über Nacht kommt. Es wird die Intensität der Gefühle, das heiße Blut, die errötenden Wangen und der Wunsch nach Küssen geschildert. Diese sinnliche Beschreibung dient dazu, die Verführungskraft der Liebe zu verdeutlichen und die Leser auf das bevorstehende Unglück vorzubereiten. Das Gedicht ist ein Mahnmal gegen die naive Hingabe in einer Gesellschaft, in der Frauen scheinbar dem Schicksal ausgeliefert sind.

Der zweite Teil des Gedichts schildert die tragischen Folgen der Liebe. Nach der Hingabe an den Mann und dem „Taumel der Lust“ verliert das Mädchen für immer sein Glück und seine Munterkeit. Der Text beschreibt den Übergang von Freude zu Traurigkeit, dargestellt durch die Tränen, die den „Seele Mai“ sterben lassen und den abschließenden Todesschrei in düsterer Verzweiflung. Hier wird die Liebe als Ursache von Leid, Verlust und letztendlich Tod dargestellt. Die Botschaft ist klar: Die Liebe, insbesondere außerhalb der Ehe, kann für ein junges Mädchen aus dem Volk zerstörerische Konsequenzen haben.

Die zentrale Thematik des Gedichts ist die Warnung vor den Folgen der Liebe und dem Verlust der Unschuld in einer prüden Gesellschaft. Es ist eine Warnung vor dem Verlust der Unschuld, der mit sozialer Ausgrenzung, Schande und dem Verlust der Lebensfreude verbunden ist. Arent zeichnet ein Bild, das die damaligen gesellschaftlichen Bedingungen widerspiegelt, in denen die Rolle der Frau durch Konventionen und Erwartungen stark eingeschränkt wurde. Das Gedicht ist ein düsteres Zeugnis einer Zeit, in der Liebe oft mit Leid und Verlust verbunden war.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.