Kennzeichen eines rechten Freundes
1648F rey. R edlich. E hrlich. U nverdrossen. N amhafft. D emütig.
Ein Freund, der Freund seyn soll, soll seyn zugleiche frey, Daß sagen er dir darff, was dir zu sagen sey. Ein Freund, der Freund seyn soll, der soll dich redlich meinen; Soll innen seyn nicht so und so von aussen scheinen. Ein Freund, der Freund seyn soll, soll ehrlich seyn für sich, Damit er nicht zugleich beschäme sich und dich. Ein Freund, der Freund seyn soll, der soll seyn unverdrussen, Daß du habst seiner so, wie deiner selbst genussen. Ein Freund, der Freund seyn soll, soll namhafft gleichwol seyn; Dann deines Freundes Ruhm hilfft deinem Namen ein. Ein Freund, der Freund seyn soll, der soll der Demut pflegen Und deinen Pfennig dir so hoch wie seinen legen. Wer solchen Freund bekümmt, hat keinen schlechten Freund; Er wird nicht viel gehabt; er wird nur offt vermeint.
(Aus: Sinngedichte)
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Interpretation
Das Gedicht "Kennzeichen eines rechten Freundes" von Friedrich Freiherr von Logau ist eine poetische Anleitung, wie ein wahrer Freund zu sein hat. Es beschreibt sechs wesentliche Eigenschaften, die ein solcher Freund aufweisen sollte: Freiheit, Redlichkeit, Ehrlichkeit, Unverdrossenheit, Namhaftigkeit und Demut. Diese Eigenschaften werden in einzelnen Strophen erläutert und durch Beispiele untermauert. Die erste Eigenschaft, Freiheit, bedeutet, dass ein Freund die Freiheit haben sollte, dem anderen die Wahrheit zu sagen, auch wenn sie unangenehm sein mag. Die zweite Eigenschaft, Redlichkeit, bezieht sich auf die innere Einstellung des Freundes, die nicht nur nach außen hin ehrlich wirken soll, sondern auch tatsächlich ehrlich ist. Die dritte Eigenschaft, Ehrlichkeit, bedeutet, dass der Freund ehrlich zu sich selbst sein sollte, um nicht sich selbst und den anderen zu beschämen. Die vierte Eigenschaft, Unverdrossenheit, bedeutet, dass der Freund geduldig und ausdauernd sein sollte, damit der andere sich an seiner Gesellschaft erfreuen kann. Die fünfte Eigenschaft, Namhaftigkeit, bezieht sich auf den Ruf des Freundes, der dem anderen helfen kann, seinen eigenen Namen zu verbessern. Die sechste und letzte Eigenschaft, Demut, bedeutet, dass der Freund demütig sein und die Bedürfnisse des anderen genauso wichtig nehmen sollte wie die eigenen. Das Gedicht schließt mit der Aussage, dass jemand, der einen solchen Freund besitzt, keinen schlechten Freund hat. Es betont jedoch auch, dass solche Freunde selten sind und oft nur vermeintlich existieren. Insgesamt ist das Gedicht eine tiefgründige Betrachtung über die Natur der Freundschaft und die Eigenschaften, die einen wahren Freund ausmachen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Damit er nicht zugleich beschäme sich und dich.
- Anapher
- Ein Freund, der Freund seyn soll, soll seyn zugleiche frey, Daß sagen er dir darff, was dir zu sagen sey.
- Antithese
- Er wird nicht viel gehabt; er wird nur offt vermeint.
- Chiasmus
- Und deinen Pfennig dir so hoch wie seinen legen.
- Hyperbel
- Dann deines Freundes Ruhm hilfft deinem Namen ein.
- Kontrast
- Soll innen seyn nicht so und so von aussen scheinen.
- Metapher
- Daß du habst seiner so, wie deiner selbst genussen.
- Parallelismus
- Ein Freund, der Freund seyn soll, der soll dich redlich meinen; Soll innen seyn nicht so und so von aussen scheinen.