Kein Lebewohl, kein banges Scheiden

Friedrich Hebbel

1829

Kein Lebewohl, kein banges Scheiden! Viel lieber ein Geschiedensein! Ertragen kann ich jedes Leiden, Doch trinken kann ich′s nicht, wie Wein.

Wir saßen gestern noch beisammen, Von Trennung wußt′ ich selbst noch kaum! Das Herz trieb seine alten Flammen, Die Seele spann den alten Traum.

Dann rasch ein Kuß vom lieben Munde, Nicht Schmerz getränkt, nicht Angst verkürzt! Das nenn′ ich eine Abschiedsstunde, Die leere Ewigkeiten würzt.

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Interpretation

Das Gedicht "Kein Lebewohl, kein banges Scheiden" von Friedrich Hebbel beschreibt die Erfahrung einer Trennung, die nicht von Abschied und Trauer geprägt ist, sondern von einem friedlichen und erfüllenden Abschied. Der Sprecher bevorzugt ein "Geschiedensein", das er als erträglicher empfindet als ein schmerzvolles Abschiednehmen. Er kann zwar Leiden ertragen, aber nicht so genießen wie einen guten Wein. Das Gedicht beschreibt dann eine Szene, in der der Sprecher und seine Geliebte noch zusammen saßen, ohne von einer bevorstehenden Trennung zu wissen. Die alten Gefühle und Träume waren noch lebendig. Doch dann kam ein schneller Kuss, der nicht von Schmerz oder Angst getrübt war. Der Sprecher nennt diese Abschiedsstunde eine Bereicherung der leeren Ewigkeit, was darauf hindeutet, dass er die Erinnerung an diese letzte gemeinsame Zeit als kostbar und erfüllend empfindet.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Kein Lebewohl, kein banges Scheiden!
Kontrast
Viel lieber ein Geschiedensein
Metapher
Die leere Ewigkeiten würzt
Personifikation
Das Herz trieb seine alten Flammen