Kein Haus, keine Heimat!
1806Meine Jacke ist ganz noch Und mein Glas noch voll Gin! Welt, geh´deiner Wege, Ich frag´nicht, wohin?
Kein Haus, keine Heimat, Kein Weib und kein Kind, So wirbl´ich, ein Strohhalm, In Wetter und Wind!
Well´auf und Well´nieder, Bald dort und bald hier; Welt, fragst du nach mir nicht, Was frag´ich nach dir?
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Interpretation
Das Gedicht "Kein Haus, keine Heimat!" von Friedrich Halm beschreibt das Leben eines Wanderers, der frei und ungebunden durch die Welt zieht. Der Sprecher zeigt sich zufrieden mit seiner Jacke, die noch ganz ist, und seinem Glas voller Gin, was auf eine gewisse Genügsamkeit und Gelassenheit hindeutet. Er lässt die Welt ihren Weg gehen und fragt nicht nach dem Ziel, was eine Haltung der Gleichgültigkeit und des Loslassens ausdrückt. In der zweiten Strophe wird die Einsamkeit und die fehlende Bindung des Sprechers deutlich. Er hat kein Haus, keine Heimat, kein Weib und kein Kind, was auf ein Leben ohne feste Wurzeln und familiäre Bindungen schließen lässt. Er wird mit einem Strohhalm verglichen, der im Wetter und Wind wirbelt, was seine Unbeständigkeit und Anfälligkeit für äußere Einflüsse symbolisiert. Die dritte Strophe betont die Unbeständigkeit des Lebens des Sprechers. Er steigt auf und fällt wieder, ist mal hier und mal dort, was auf eine unstete Existenz hindeutet. Die rhetorische Frage am Ende, warum er nach der Welt fragen sollte, wenn die Welt nicht nach ihm fragt, unterstreicht seine Gleichgültigkeit und Selbstgenügsamkeit. Insgesamt vermittelt das Gedicht das Bild eines freien Geistes, der sich von gesellschaftlichen Normen und Erwartungen löst und sein Leben selbstbestimmt führt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Kein Haus, keine Heimat, Kein Weib und kein Kind
- Chiasmus
- Welt, fragst du nach mir nicht, Was frag ich nach dir?
- Enjambement
- Meine Jacke ist ganz noch Und mein Glas noch voll Gin!
- Metapher
- So wirbl ich, ein Strohhalm
- Parallelismus
- Well auf und Well nieder, Bald dort und bald hier