Kein Freud ist ohne Schmerz...
1650Kein Freud ist ohne Schmerz, kein Wollust ohne Klagen, Kein Stand, kein Ort, kein Mensch ist seines Kreuzes frei. Wo schöne Rosen blühn, stehn scharfe Dorn dabei, Wer außen lacht, hat oft im Herzen tausend Plagen,
Wer hoch in Ehren sitzt, muß hohe Sorgen tragen, Wer ist, der Reichtum acht′ und los von Kummer sei? Wer auch kein′ Kummer hat, fühlt doch, wie mancherlei Traurwürmlin seine Seel und matte Sinn durchnagen.
Ich sag es offenbar, so lang der Sonnen Licht Vom Himmel hat bestrahlt mein bleiches Angesicht, Ist mir noch nie ein Tag, der ganz ohn Angst, bescheret!
O Welt, du Tränental, recht selig wird geschätzt, Der, eh er einen Fuß hin auf die Erden setzt, Bald aus der Mutter Schoß ins Himmelslusthaus fähret.
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Interpretation
Das Gedicht "Kein Freud ist ohne Schmerz..." von Andreas Gryphius handelt von der unausweichlichen Verbindung von Freude und Leid im menschlichen Leben. Der Dichter verdeutlicht, dass es keinen Zustand, keine Position oder Person gibt, die frei von Sorgen und Kummer ist. Die Metapher der Rosen und Dornen symbolisiert, dass Schönheit und Glück oft mit Schmerz und Leid einhergehen. Gryphius beschreibt weiterhin, dass selbst diejenigen, die äußerlich erfolgreich oder wohlhabend erscheinen, innerlich oft von Sorgen und Ängsten geplagt sind. Er fragt, wer Reichtum besitzt und gleichzeitig frei von Kummer ist, und deutet an, dass selbst diejenigen, die keine offensichtlichen Probleme haben, von inneren Konflikten und Melancholie betroffen sein können. Im letzten Teil des Gedichts beklagt Gryphius die Welt als ein Tal der Tränen und sehnt sich nach Erlösung von diesem Leid. Er wünscht sich, dass jemand, der noch nicht geboren ist, gleich in den Himmel eingehen möge, um die Qualen des Lebens auf Erden zu vermeiden. Dies spiegelt eine tiefe Verzweiflung und eine Sehnsucht nach einem Leben ohne Schmerz und Sorgen wider.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Antithese
- Kein Freud ist ohne Schmerz, kein Wollust ohne Klagen
- Hyperbel
- Der, eh er einen Fuß hin auf die Erden setzt, bald aus der Mutter Schoß ins Himmelslusthaus fähret
- Kontrast
- Wer außen lacht, hat oft im Herzen tausend Plagen
- Metapher
- Welt, du Tränental
- Personifikation
- Traurwürmlin seine Seel und matte Sinn durchnagen
- Rhetorische Frage
- Wer ist, der Reichtum acht′ und los von Kummer sei?