Kehr ein bei mir
1822Du bist die Ruh, Der Friede mild, Die Sehnsucht du, Und was sie stillt.
Ich weihe dir Voll Lust und Schmerz Zur Wohnung hier Mein Aug und Herz.
Kehr ein bei mir Und schließe du Still hinter dir Die Pforten zu.
Treib andern Schmerz Aus dieser Brust! Voll sei dies Herz Von deiner Lust.
Dies Augenzelt Von deinem Glanz Allein erhellt, O füll es ganz!
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Interpretation
Das Gedicht "Kehr ein bei mir" von Friedrich Rückert ist eine tief empfundene Liebeserklärung, in der der lyrische Ich den Geliebten als Inbegriff von Ruhe, Frieden und Erfüllung verehrt. Die Personifizierung des Geliebten als "die Ruh" und "der Friede mild" verdeutlicht, dass die Liebe als Quelle der inneren Ausgeglichenheit und des Trostes dient. Gleichzeitig wird die Sehnsucht als etwas dargestellt, das nur durch die Anwesenheit des Geliebten gestillt werden kann, was die zentrale Bedeutung der Liebe für das emotionale Gleichgewicht des Sprechers unterstreicht. In den folgenden Strophen weiht das lyrische Ich dem Geliebten sein "Aug und Herz" als Wohnstatt, was die vollkommene Hingabe und die Bereitschaft ausdrückt, sich ganz dem anderen zu öffnen. Die Bitte, "Kehr ein bei mir" und "schließe du still hinter dir die Pforten zu", symbolisiert den Wunsch nach Exklusivität und Intimität in der Beziehung. Es wird ein geschützter Raum geschaffen, in dem äußerer Kummer keinen Zutritt hat und nur die "Lust" des Geliebten Platz findet. Dies unterstreicht den Wunsch nach einer reinen, von äußeren Einflüssen ungestörten Liebe. Im letzten Vers des Gedichts richtet sich der Fokus auf das "Augenzelt", das vom Glanz des Geliebten erhellt wird. Die Aufforderung, "O füll es ganz!" verdeutlicht den Wunsch nach vollständiger Erfüllung und nach dem vollständigen Einzug der Liebe in das Leben des Sprechers. Das Gedicht endet mit der Bitte um eine umfassende, alles erhellende Liebe, die den Sprecher ganz ausfüllt und ihm ein Gefühl der Vollkommenheit verleiht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Apostrophe
- [Du bist die Ruh Kehr ein bei mir Treib andern Schmerz Aus dieser Brust!]
- Hyperbel
- [Voll sei dies Herz Von deiner Lust Allein erhellt, O füll es ganz]
- Metapher
- [Du bist die Ruh, Der Friede mild Ich weihe dir Voll Lust und Schmerz Zur Wohnung hier Mein Aug und Herz Kehr ein bei mir Und schließe du Still hinter dir Die Pforten zu Dies Augenzelt Von deinem Glanz Allein erhellt, O füll es ganz]
- Personifikation
- [Der Friede mild Und was sie stillt]
- Symbol
- [Die Sehnsucht du Mein Aug und Herz Die Pforten zu]