Kaplied
1787Auf, auf! ihr Brüder und seyd stark, Der Abschiedstag ist da! Schwer liegt er auf der Seele, schwer! Wir sollen über Land und Meer Ins heiße Afrika.
Ein dichter Kreis von Lieben steht, Ihr Brüder, um uns her; Uns knüpft so manches theure Band An unser deutsches Vaterland, Drum fällt der Abschied schwer.
Dem bieten graue Eltern noch Zum letztenmal die Hand; Den kosen Bruder, Schwester, Freund; Und alles schweigt, und alles weint, Todtblaß von uns gewandt.
Und wie ein Geist schlingt um den Hals Das Liebchen sich herum: Willst mich verlassen, liebes Herz, Auf ewig? - und der bittre Schmerz Macht′s arme Liebchen stumm.
Ist hart - drum wirble du, Tambour, Den Generalmarsch drein. Der Abschied macht uns sonst zu weich, Wir weinten kleinen Kindern gleich - Es muß geschieden seyn.
Lebt wohl, ihr Freunde! Sehn wir uns Vielleicht zum letztenmal; So denkt, nicht für die kurze Zeit, Freundschaft ist für die Ewigkeit, Und Gott ist überall.
An Deutschlands Grenze füllen wir Mit Erde unsre Hand Und küssen sie - das sey der Dank Für deine Pflege, Spels′ und Trank, Du liebes Vaterland!
Wenn dann die Meereswoge sich An unsern Schiffen bricht, So segeln wir gelassen fort; Denn Gott ist hier und Gott ist dort, Und der verläßt uns nicht!
Und ha, wenn sich der Tafelberg Aus blauen Düften hebt; So strecken wir empor die Hand, Und jauchzen: Land! ihr Brüder, Land! Daß unser Schiff erbebt.
Und wenn Soldat und Offizier Gesund ans Ufer springt, Dann jubeln wir , ihr Brüder, ha! Nun sind wir ja in Afrika. Und alles dankt und singt.
Wir leben drauf in fernem Land Als Deutsche brav und gut. Und sagen soll man weit und breit, Die Deutschen sind doch brave Leut′, Sie haben Geist und Muth.
Und trinken auf dem Hoffnungskap Wir seinen Götterwein; So denken wir von Sehnsucht weich, Ihr fernen Freunde, dann an Euch; Und Thränen fließen drein.
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Interpretation
Das Gedicht "Kaplied" von Christian Friedrich Daniel Schubart handelt von der emotionalen Abschiedsszene deutscher Soldaten, die nach Afrika aufbrechen. Der Dichter schildert die tiefe Trauer und den Schmerz, der mit dem Abschied von der Heimat und den Liebsten verbunden ist. Die Soldaten verlassen ihre Familien, Freunde und ihre geliebte Heimat, was ihnen schwer auf der Seele liegt. Die Szene ist geprägt von Tränen, Schweigen und der emotionalen Umarmung der Liebsten, insbesondere der Partnerin, die den Soldaten nicht verlassen will. Das Gedicht thematisiert auch den Übergang von der Trauer zur Entschlossenheit. Der Tambour wird aufgefordert, den Generalmarsch zu spielen, um die Soldaten zu stärken und den Abschied zu erleichtern. Die Soldaten müssen sich zusammenreißen und ihre Tränen zurückhalten, um ihre Pflicht zu erfüllen. Sie verabschieden sich von ihren Freunden und versichern ihnen, dass die Freundschaft ewig währt und Gott überall ist, auch in der Ferne. Schließlich beschreibt das Gedicht die Ankunft der Soldaten in Afrika. Sie füllen ihre Hände mit Erde von der deutschen Grenze als Zeichen der Dankbarkeit für die Pflege und Versorgung in ihrer Heimat. Die Soldaten segeln gelassen weiter, da sie wissen, dass Gott sie begleitet. Bei der Ankunft am Tafelberg jubeln sie und freuen sich, endlich in Afrika zu sein. Sie leben tapfer und gut in der Fremde und hoffen, dass ihr Mut und Geist weit und breit bekannt werden. Beim Trinken des "Götterweins" auf dem Kap der Guten Hoffnung denken sie wehmütig an ihre fernen Freunde und Tränen fließen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Auf, auf! ihr Brüder und seyd stark
- Apostrophe
- Lebt wohl, ihr Freunde! Sehn wir uns
- Aufzählung
- Dem bieten graue Eltern noch / Zum letztenmal die Hand; / Den kosen Bruder, Schwester, Freund;
- Ausruf
- Land! ihr Brüder, Land!
- Hyperbel
- Und Gott ist überall
- Kontrast
- Denn Gott ist hier und Gott ist dort
- Metapher
- Schwer liegt er auf der Seele, schwer
- Parallelismus
- Und alles schweigt, und alles weint, / Todtblaß von uns gewandt.
- Personifikation
- Und wie ein Geist schlingt um den Hals
- Symbolik
- Und küssen sie - das sey der Dank