Kaiserswerth
1949Die Stille segnet dich mit vollen Händen, mein Städtchen. Wie ein milder ernster Greis, der sich den Tod längst nicht mehr schrecklich weiß, wallt leis der Rhein vorbei, gewillt zu enden.
Mit Schiffchen spielt er, lässt sich sanft verwenden und malt dich zitternd ab zu deinem Preis: Den grauen Dom, die tote Burg, den Kreis der kleinen Häuser mit geweißten Wänden.
Horch! Es schlägt Mittag. Alle Glocken klingen vermischt, wie Alt und Jung zusammenleben. Die Tauben aufgeschreckt ums Kirchdach schweben, den Turmhahn lüstet es, sich mitzuschwingen.
Die Sonne lacht aus zarten Wolken matt der Menschenzeit auf goldnem Zifferblatt.
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Interpretation
Das Gedicht "Kaiserswerth" von Herbert Eulenberg beschreibt die idyllische und ruhige Atmosphäre des Städtchens Kaiserswerth am Rhein. Die Stille umgibt die Stadt wie ein Segen, und der Fluss fließt sanft vorbei, als ob er bereit wäre, sein Ende zu finden. Die Bilder des Rheins, der mit Schiffchen spielt und die Stadt in seinem Spiegel abbildet, vermitteln eine friedliche und fast traumhafte Stimmung. Die Beschreibung der Stadt mit ihrem grauen Dom, der toten Burg und den kleinen Häusern mit geweißten Wänden verleiht dem Gedicht eine nostalgische und zeitlose Qualität. In der zweiten Strophe wird die Szene durch das Mittagsläuten der Glocken belebt. Die Vermischung der Glockenklänge symbolisiert das Zusammenleben von Alt und Jung in der Stadt. Die aufgeschreckten Tauben, die um das Kirchendach schweben, und der Turmhahn, der sich mit ihnen zu schwingen wünscht, fügen der Szene eine lebendige und dynamische Komponente hinzu. Diese Bilder unterstreichen die Harmonie und das Zusammenleben der verschiedenen Elemente in Kaiserswerth. Die abschließende Strophe bringt das Gedicht zu einem sanften Abschluss. Die Sonne, die durch zarte Wolken scheint, wirft ihr Licht auf die Stadt wie auf ein goldenes Zifferblatt. Dieses Bild verleiht der Szene eine zeitlose und fast märchenhafte Qualität. Die Beschreibung der Menschenzeit, die von der Sonne gemessen wird, betont die Beständigkeit und die Kontinuität des Lebens in Kaiserswerth. Insgesamt vermittelt das Gedicht ein tiefes Gefühl von Ruhe, Schönheit und Ewigkeit, das den Betrachter in den Bann zieht und zum Verweilen einlädt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Den grauen Dom, die tote Burg, den Kreis der kleinen Häuser mit geweißten Wänden
- Metapher
- der Menschenzeit auf goldnem Zifferblatt
- Onomatopoesie
- Horch! Es schlägt Mittag
- Personifikation
- Die Sonne lacht aus zarten Wolken matt