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Kahnfahrt

Von

Es sinkt der Tag; still wird es weit und breit. –
Auf flüsternder, auf kühler Wasserbahn
Trägt leis zwei Menschen hin ein leichter Kahn,
Zwei stille Menschen, still vor Seligkeit.

Der Mann ergreift des Weibes zarte Hand
Und spricht, indem er nah‘ zu ihr sich bückt,
Der Stimme Zittern mühsam unterdrückt,
Mühsam die Thräne, die im Aug‘ ihm stand:

»O möge keines von uns Zweien doch
Je wiedersehn dieß Land und diesen See,
Das Herz zerrissen von der Trennung Weh!«
Schon war es Nacht. Wir schwiegen. Weißt du’s noch?

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Gedicht: Kahnfahrt von Friedrich Theodor Vischer

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Kahnfahrt“ von Friedrich Theodor Vischer beschreibt eine romantische Szene der Zweisamkeit und Sehnsucht. Es beginnt mit einer Beschreibung der einsetzenden Dämmerung und der ruhigen, fast magischen Atmosphäre auf dem Wasser. Ein leichter Kahn, der zwei Menschen trägt, wird zum Mittelpunkt der Szenerie. Die Worte „still“ und „Leis“ dominieren die ersten Zeilen, was die Intimität und die friedliche Stimmung unterstreicht, die das Paar umgibt.

Der Mann, ein Symbol für Stärke und Schutz, ergreift die Hand der Frau, ein Zeichen der Zuneigung und des Vertrauens. Seine Worte, die er mit zitternder Stimme spricht, offenbaren die Tiefe seiner Gefühle. Die Schwierigkeit, die Tränen zu unterdrücken, deutet auf eine innige Verbundenheit und die Angst vor Trennung hin. Dies ist nicht nur eine Momentaufnahme der Liebe, sondern auch ein Ausdruck der Furcht vor dem Verlust, die die Schönheit des Augenblicks überschattet. Die Frage, ob die beiden je wieder das Land und den See sehen möchten, zeigt die Sehnsucht nach einer unvergänglichen Beziehung, die frei von Trennungsschmerz sein soll.

Die Nacht, die am Ende des Gedichts anbricht, symbolisiert das Ende des Tages und möglicherweise auch eine Metapher für das Ende der gemeinsamen Zeit. Das Schweigen, das im letzten Satz betont wird, unterstreicht die Stille und Intimität, die die beiden teilen. Es ist ein Schweigen, das von tiefen Emotionen und unausgesprochenen Versprechen erfüllt ist. „Weißt du’s noch?“ deutet darauf hin, dass das Gedicht eine Erinnerung an einen gemeinsam erlebten Moment darstellt, der für die beiden von großer Bedeutung war.

Insgesamt ist „Kahnfahrt“ ein romantisches Gedicht, das die Schönheit der Liebe, die Angst vor dem Verlust und die Sehnsucht nach ewiger Verbundenheit thematisiert. Es fängt einen flüchtigen Moment ein und macht ihn zu einer bleibenden Erinnerung, die von der tiefen Verbundenheit und dem gemeinsamen Erleben des Paares zeugt. Die einfachen, doch eindringlichen Worte erzeugen eine Atmosphäre der Intimität und der Melancholie, die den Leser in die Szene eintauchen lässt.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.