Kahnfahrt

Friedrich Theodor Vischer

1887

Es sinkt der Tag; still wird es weit und breit. – Auf flüsternder, auf kühler Wasserbahn Trägt leis zwei Menschen hin ein leichter Kahn, Zwei stille Menschen, still vor Seligkeit.

Der Mann ergreift des Weibes zarte Hand Und spricht, indem er nah’ zu ihr sich bückt, Der Stimme Zittern mühsam unterdrückt, Mühsam die Thräne, die im Aug’ ihm stand:

»O möge keines von uns Zweien doch Je wiedersehn dieß Land und diesen See, Das Herz zerrissen von der Trennung Weh!« Schon war es Nacht. Wir schwiegen. Weißt du’s noch?

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Illustration zu Kahnfahrt

Interpretation

Das Gedicht "Kahnfahrt" von Friedrich Theodor Vischer handelt von einer romantischen Bootsfahrt zweier Menschen, die in einem Zustand tiefen Glücks und inniger Verbundenheit zueinander sind. Die Stimmung ist von Ruhe und Stille geprägt, die durch die sinkende Dämmerung und die kühle, flüsternde Wasserbahn verstärkt wird. Der Mann ergreift die zarte Hand der Frau und spricht in einem emotionalen Moment, in dem er den Zittern seiner Stimme und die Träne in seinem Auge kaum unterdrücken kann. Er wünscht sich, dass sie diesen Ort und diesen See nie wiedersehen mögen, um dem Schmerz der Trennung zu entgehen. Die Interpretation des Gedichts legt nahe, dass es sich um eine Begegnung handelt, die von großer Intensität und Emotionalität geprägt ist. Die beiden Personen scheinen sich in einem Zustand der vollkommenen Hingabe und Liebe zueinander zu befinden, was durch die Beschreibung ihrer Stille und Seligkeit zum Ausdruck kommt. Der Wunsch des Mannes, diesen Ort nie wiederzusehen, deutet auf die Vergänglichkeit des Moments und die Angst vor dem Verlust dieser tiefen Verbindung hin. Das Gedicht endet mit der Nacht und der Stille, die beide umgibt, sowie einer Frage, die auf eine gemeinsame Erinnerung an diese Erfahrung hindeutet. Dies lässt vermuten, dass die Begegnung einen bleibenden Eindruck bei den beiden hinterlassen hat und dass sie sich möglicherweise nie wieder so nahe gekommen sind. Die letzte Zeile "Weißt du's noch?" lädt den Leser ein, sich ebenfalls an diesen intimen und bewegenden Moment zu erinnern und die tiefe Bedeutung dieser Begegnung für die beiden Personen nachzuvollziehen.

Schlüsselwörter

still zwei menschen mühsam sinkt tag weit breit

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Stilmittel

Alliteration
flüsternder, auf kühler Wasserbahn
Anapher
mühsam unterdrückt, Mühsam die Thräne
Bildlichkeit
des Weibes zarte Hand
Enjambement
Schon war es Nacht. Wir schwiegen. Weißt du's noch?
Hyperbel
Das Herz zerrissen von der Trennung Weh
Kontrast
Zwei stille Menschen, still vor Seligkeit
Metapher
Es sinkt der Tag
Personifikation
still wird es weit und breit