K. g. L. ins Stammbuch

Friedrich Theodor Vischer

1807

Die gute Frau, wem ist sie zu vergleichen? Dem Stückchen Zucker, das in’s Wasser fällt Und keine Kraft der Kraft entgegenstellt, Die ringsum eindringt, ganz es zu erweichen.

Es schmilzt, wird nichts. O unerquicklich Zeichen Der Schwäche, die nicht Wehr und Waffen hält! Gibt es ein ärmer Wesen auf der Welt? Und dem willst du ein Frauenherz vergleichen?

Geh’ hin, vom Glas zu kosten und zu trinken! Dann sage, wer den Andern hat bezwungen, Wer unterlag im Kriege ohne Krieg!

Ein Wirken war das willige Versinken, Ganz ist der Trank von Süßigkeit durchdrungen, ganze Opfer war ein ganzer Sieg.

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Interpretation

Das Gedicht "K. g. L. ins Stammbuch" von Friedrich Theodor Vischer beschäftigt sich mit der Rolle und Stärke der Frau in der Gesellschaft. Es beginnt mit einer Metapher, die die Frau mit einem Stück Zucker vergleicht, das im Wasser schmilzt. Diese Metapher deutet auf eine passive Rolle hin, in der die Frau sich den äußeren Einflüssen ohne Widerstand hingibt. Die Frage, ob ein solch schwaches Wesen mit einem Frauenherz verglichen werden kann, wirft Zweifel an der Angemessenheit dieses Vergleichs auf. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Metapher des Zuckers im Wasser weiterentwickelt. Der Sprecher fordert dazu auf, vom Glas zu kosten und zu trinken, um zu erkennen, wer in diesem "Krieg ohne Krieg" siegreich war. Die Antwort lautet, dass das willige Versinken des Zuckers im Wasser ein wirksames Handeln darstellt. Das gesamte Getränk ist von Süße durchdrungen, was darauf hindeutet, dass das Opfer des Zuckers zu einem vollständigen Sieg führt. Dies impliziert, dass die scheinbare Schwäche der Frau tatsächlich eine Form von Stärke und Einfluss sein kann. Das Gedicht schließt mit der Erkenntnis, dass das Opfer des Zuckers, symbolisch für die Frau, ein ganzer Sieg ist. Es legt nahe, dass die Frau durch ihre scheinbare Unterwerfung und Anpassungsfähigkeit eine tiefgreifende Wirkung auf ihre Umgebung ausübt. Das Gedicht fordert den Leser auf, die traditionellen Vorstellungen von Stärke und Schwäche zu überdenken und die subtile, aber mächtige Rolle der Frau in der Gesellschaft anzuerkennen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Hyperbel
O unerquicklich Zeichen Der Schwäche, die nicht Wehr und Waffen hält
Metapher
ganze Opfer war ein ganzer Sieg
Personifikation
Die rundum eindringt, ganz es zu erweichen
Rhetorische Frage
Gibt es ein ärmer Wesen auf der Welt?