Juno Ludovisi
1854Du lässest uns die Blüte alles Schönen Und seines Werdens holdes Wunder sehen; Die Stirn′ ist streng, man sieht′s in ihr entstehen, Wo es noch ringen muß mit herben Tönen.
Die Wange will sich schon mit Anmut krönen, Doch darf sie noch im Lächeln nicht zergehen, Der Mund jedoch zerschmilzt in süßen Wehen, Daß Ernst und Milde sich im Reiz versöhnen.
Erst keusches Leben, wurzelhaft gebunden, Dann scheuer Vortraum von sich selbst, der leise Hinüberführt zur wirklichen Entfaltung;
Und nun ist auch der Werdekampf verwunden, Man sieht nicht Anfang mehr, noch Schluß im Kreise, Und dieses ist der Gipfel der Gestaltung.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Juno Ludovisi" von Friedrich Hebbel ist eine Hommage an die Schönheit und die Entwicklung einer Frau. Es beschreibt die verschiedenen Phasen des Werdens und der Entfaltung, die in der Gestalt der Frau zum Ausdruck kommen. Das Gedicht ist in drei Strophen unterteilt, die jeweils einen bestimmten Aspekt der Frau darstellen. Die erste Strophe beschreibt die Stirn der Frau als streng und von herben Tönen geprägt. Dies deutet auf eine gewisse Intensität und Ernsthaftigkeit hin, die in ihr entsteht. Die zweite Strophe hingegen zeigt die Wange der Frau, die sich bereits mit Anmut krönen möchte, aber noch nicht im Lächeln zergehen darf. Der Mund hingegen schmilzt in süßen Wehen, was auf eine Mischung aus Ernst und Milde hinweist. Die dritte Strophe beschreibt die verschiedenen Phasen der Entwicklung der Frau. Es beginnt mit einem keuschen Leben, das wurzelhaft gebunden ist. Dann folgt ein scheuer Vortritt von sich selbst, der langsam zur wirklichen Entfaltung führt. Schließlich ist auch der Werdekampf verwunden, und es gibt weder Anfang noch Ende mehr im Kreise. Dies deutet auf eine Vollendung und Vollkommenheit hin, die den Gipfel der Gestaltung darstellt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Kontrast
- Daß Ernst und Milde sich im Reiz versöhnen
- Metapher
- Und dieses ist der Gipfel der Gestaltung
- Personifikation
- Die Stirn′ ist streng, man sieht′s in ihr entstehen