Juli

Wilhelm Müller

1794

Auf kühlen Bergen, an des Meeres Strande, Ist dir ein heitrer Gartensitz bereitet, Nicht allzu eng′, auch nicht zu weit verbreitet: Man liebt sich einzuschränken auf dem Lande.

Ein junger Quell im Bett von weichem Sande Ist zierlich durch die Gänge hingeleitet, Bis er betrogen in ein Becken gleitet, Das ihm versteckt der Blumenhain am Rande.

Da muß er, eingezwängt in schlanker Säule, Aufsteigen aus dem runden Marmormunde, Und auf der Höhe sich in Schaum zerstäuben.

Das Moosbett winkt zu mittäglicher Weile: Es schlummert Alles, nur im klaren Grunde Seh′ ich die goldnen Fischlein Spiele treiben.

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Illustration zu Juli

Interpretation

Das Gedicht "Juli" von Wilhelm Müller beschreibt eine idyllische Sommerlandschaft, die Ruhe und Erholung ausstrahlt. Der Dichter lädt den Leser ein, einen "heiteren Gartensitz" auf kühlen Bergen oder am Meeresstrand zu finden, der weder zu eng noch zu weitläufig ist. Diese Beschreibung suggeriert eine harmonische Balance und einen Ort der Entspannung, an dem man sich gerne einschränkt und die Einfachheit des Landlebens genießt. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Reise eines jungen Quells durch einen Garten nachgezeichnet. Der Quell fließt durch weichen Sand und wird durch die Gänge geleitet, bis er in ein verstecktes Becken gelangt, das von einem Blumenhain umgeben ist. Dieser Abschnitt vermittelt ein Gefühl von sanfter Bewegung und natürlicher Schönheit, wobei der Quell schließlich in einer schlanken Säule aufsteigt und sich in Schaum auflöst. Im letzten Teil des Gedichts wird die Ruhe des Moosbetts beschworen, das zur Mittagszeit zum Ausruhen einlädt. Alles scheint zu schlummern, doch im klaren Grund des Wassers kann man die "goldnen Fischlein" spielen sehen. Diese abschließende Bildlichkeit unterstreicht die friedliche Atmosphäre und die subtile Lebendigkeit der Natur, die auch in der Stille des Sommers fortbesteht.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Das Moosbett winkt zu mittäglicher Weile
Personifikation
Bis er betrogen in ein Becken gleitet