Jugendträume

Luise Büchner

1837

Kalt ist, wer nicht Liebe suchet, Spricht der Menschen große Zahl, Elend ist, wer nie empfunden Ihre Lust und ihre Qual!

Und das Letzte was sie sagen, O, ich glaub es ihnen wohl, Aber niemals kann ich fassen, Dass man Liebe suchen soll.

Liebe muss sich auf uns senken Wie ein schöner, goldner Traum, Ahnungslos muss sie durchdringen Unsres Herzens tiefsten Raum.

Und wenn dann wir leis erwachen, Steht sie da als Königin, Und vor ihrem Strahlenblicke Sinken machtlos wir dahin.

So muss uns die Liebe nahen, Soll sie heilge Liebe sein, Denn der Schlaf schützt reine Herzen, Himmlisches nur lässt er ein.

Wollte Gott mir leuchten lassen Solcher Liebe Himmelslicht, Kniend wollt ich sie empfangen, Doch sie suchen kann ich nicht!

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Illustration zu Jugendträume

Interpretation

Das Gedicht "Jugendträume" von Luise Büchner beschreibt die idealistische und romantische Vorstellung von Liebe, die der lyrischen Ich-Instanz zugrunde liegt. Die Protagonistin distanziert sich von der pragmatischen Sichtweise der Gesellschaft, die Liebe als etwas betrachtet, das aktiv gesucht werden muss. Stattdessen glaubt sie, dass wahre Liebe wie ein Traum über einen kommen und ihn unerwartet durchdringen sollte. Die lyrische Instanz betont die Heiligkeit und Reinheit der Liebe, die nur in einem Zustand der Unschuld und des Schlafens empfangen werden kann. Sie stellt sich vor, dass die Liebe als Königin erscheint und sie vor ihrem strahlenden Blick machtlos macht. Die Metapher des Schlafs als Schutz für reine Herzen unterstreicht die Vorstellung, dass wahre Liebe nur in einem Zustand der Unschuld und des Vertrauens empfangen werden kann. Das Gedicht endet mit einem Wunsch des lyrischen Ichs, dass Gott ihr das Licht einer solchen himmlischen Liebe zeigen möge. Sie betont jedoch, dass sie diese Liebe nicht aktiv suchen kann, sondern sie nur empfangen kann, wenn sie ihr zugeführt wird. Dies unterstreicht die romantische und idealistische Natur der Protagonistin, die an die Macht der Liebe glaubt, aber nicht bereit ist, sie aktiv zu verfolgen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
schützt reine Herzen
Hyperbel
Und vor ihrem Strahlenblicke Sinken machtlos wir dahin
Metapher
Liebe muss sich auf uns senken Wie ein schöner, goldner Traum
Personifikation
Liebe muss sich auf uns senken
Symbolik
Schlaf schützt reine Herzen, Himmlisches nur lässt er ein
Vergleich
Wie ein schöner, goldner Traum