Jetzt rede du!

Conrad Ferdinand Meyer

1898

Du warest mir ein täglich Wanderziel, Viellieber Wald, in dumpfen Jugendtagen, Ich hatte dir geträumten Glücks so viel Anzuvertraun, so wahren Schmerz zu klagen.

Und wieder such ich dich, du dunkler Hort, Und deines Wipfelmeers gewaltig Rauschen - Jetzt rede du! Ich lasse dir das Wort! Verstummt ist Klag und Jubel. Ich will lauschen.

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Illustration zu Jetzt rede du!

Interpretation

Das Gedicht "Jetzt rede du!" von Conrad Ferdinand Meyer beschreibt eine tief emotionale Beziehung zwischen dem lyrischen Ich und dem Wald. In den "dumpfen Jugendtagen" war der Wald ein "tägliches Wanderziel" und ein Ort, an dem sich das lyrische Ich über "geträumten Glücks" und "wahren Schmerz" austauschen konnte. Der Wald war somit ein vertrauter Gesprächspartner und Zufluchtsort für das lyrische Ich in einer Zeit der emotionalen Unruhe. Im zweiten Teil des Gedichts kehrt das lyrische Ich zum Wald zurück und richtet einen eindringlichen Appell an ihn: "Jetzt rede du! Ich lasse dir das Wort!" Diese Umkehrung der Rollen zeigt, dass das lyrische Ich nun selbst zuhören und lernen möchte. Es scheint, als hätte das lyrische Ich seine eigenen Worte und Gefühle zum Ausdruck gebracht und sucht nun nach einer neuen Perspektive oder Weisheit, die der Wald ihm vermitteln kann. Die abschließenden Zeilen "Verstummt ist Klag und Jubel. Ich will lauschen." verdeutlichen die Veränderung des lyrischen Ichs. Es hat seine eigenen Emotionen und Ausdrucksweisen hinter sich gelassen und ist nun bereit, aufmerksam zuzuhören und von der Natur zu lernen. Der Wald wird als ein Ort der Stille und Weisheit dargestellt, der dem lyrischen Ich eine neue Perspektive und Erkenntnis vermitteln kann.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
wahren Schmerz zu klagen
Apostrophe
Jetzt rede du! Ich lasse dir das Wort!
Kontrast
Verstummt ist Klag und Jubel
Metapher
deines Wipfelmeers gewaltig Rauschen
Personifikation
Jetzt rede du! Ich lasse dir das Wort!