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Jesuskind, du Licht der Blinden…

Von

Jesuskind, du Licht der Blinden
Mache mich doch einmal blind
Daß ich dir, wie mir dies Kind,
Auf dem Pfad mich mög verbinden
Wo du mich auch hin willst führen
Denn mein armes eignes Licht
Kann auch selbst beim Licht noch nicht
Dich das wahre Licht recht spüren
O wie töricht, töricht ist
Der nicht in allem ohne Ausnahm
Folget dir zu jeder Frist.

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Gedicht: Jesuskind, du Licht der Blinden... von Clemens Brentano

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Jesuskind, du Licht der Blinden“ von Clemens Brentano ist eine innige Bitte um spirituelle Erleuchtung und Hingabe. Das lyrische Ich, welches sich selbst als blind bezeichnet, äußert den Wunsch nach einer „Blindheit“, die nicht physischer Natur ist, sondern eine Metapher für die Aufgabe der eigenen Sichtweise und die vollständige Hingabe an Jesus. Der Dichter wünscht sich, die Welt mit den Augen des Glaubens zu sehen, sich bedingungslos Jesus anzuvertrauen und ihm auf seinem Weg zu folgen.

Die zentrale Metapher der Blindheit und des Lichts durchzieht das gesamte Gedicht. Das „Licht der Blinden“ ist Jesus, die Quelle der spirituellen Erleuchtung. Indem das lyrische Ich sich wünscht, „blind“ zu werden, drückt es den Wunsch nach einer Distanzierung von der eigenen, möglicherweise irrenden Wahrnehmung aus. Es will wie ein Kind (was in der ersten Strophe angedeutet wird) dem Weg Jesu folgen, sich von ihm führen lassen und die Welt durch seine Augen betrachten. Das „eigne Licht“ wird als „arm“ bezeichnet, was die Unzulänglichkeit der eigenen Erkenntnis und die Notwendigkeit der göttlichen Führung betont.

Die Struktur des Gedichts unterstreicht seine theologische Botschaft. Die erste Strophe etabliert die Grundstimmung der Demut und des Wunsches nach Hingabe. Die zweite Strophe vertieft diesen Wunsch, indem sie die Unfähigkeit des eigenen Lichts hervorhebt, Jesus, das „wahre Licht“, zu erkennen und zu spüren. Der Wechsel von der Bitte zur Erkenntnis in der dritten Strophe verstärkt die Eindringlichkeit des Gebets. Der Appell „O wie töricht, töricht ist / Der nicht in allem ohne Ausnahm / Folget dir zu jeder Frist“ ist ein starkes Bekenntnis zur bedingungslosen Nachfolge Jesu.

Die Einfachheit der Sprache und die Verwendung von Reimen und Wiederholungen („töricht, töricht“) verstärken die Wirkung des Gedichts. Sie machen es zu einem Ausdruck tief empfundener Frömmigkeit und Hingabe, zugänglich und verständlich für den Leser. Das Gedicht ist ein Gebet, das die Sehnsucht nach einer engen Beziehung zu Gott und nach der Gewissheit des Glaubens zum Ausdruck bringt. Es ist ein Plädoyer für Demut, Selbstaufgabe und die uneingeschränkte Nachfolge Jesu Christi.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.