Jesus bettelt
1863Schenk mir deinen goldnen Kamm; jeder Morgen soll dich mahnen, daß du mir die Haare kußtest. Schenk mir deinen seidnen Schwamm; jeden Abend will ich ahnen, wem du dich im Bade rüstest - oh, Maria!
Schenk mir Alles, was du hast; meine Seele ist nicht eitel, stolz empfang ich deinen Segen. Schenk mir deine schwerste Last: willst du nicht auf meinen Scheitel auch dein Herz, dein Herz noch legen Magdalena?
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Interpretation
Das Gedicht "Jesus bettelt" von Richard Dehmel ist eine dramatische Monolog, in der Jesus um Gaben von zwei Frauen, Maria und Magdalena, bittet. Der Ton ist flehend und leidenschaftlich, was die tiefe emotionale Bindung Jesu zu diesen Frauen unterstreicht. In den ersten Strophen wendet sich Jesus an Maria und bittet sie um einen goldenen Kamm und einen seidnen Schwamm. Diese Gegenstände symbolisieren die intime Nähe und die täglichen Rituale, die Jesus mit Maria teilen möchte. Der Kamm erinnert ihn jeden Morgen an die zärtlichen Momente, in denen Maria ihm die Haare küsste, während der Schwamm ihm abends die Vorstellung gibt, wem Maria sich für das Bad zurechtmacht. Die Wiederholung von "oh, Maria!" am Ende der Strophe unterstreicht die Intensität seiner Bitte und seine emotionale Abhängigkeit von ihr. In den folgenden Strophen wendet sich Jesus an Magdalena und bittet sie um alles, was sie hat. Er versichert ihr, dass seine Seele nicht eitel ist und er stolz darauf ist, ihren Segen zu empfangen. Die schwerste Last, die Jesus von Magdalena erbittet, ist ihr Herz, das er auf seinen Scheitel legen möchte. Dies symbolisiert die tiefe emotionale und spirituelle Verbindung, die Jesus mit Magdalena teilen möchte. Der Name Magdalena, der oft mit der Sünderin in Verbindung gebracht wird, die von Jesus vergeben wurde, fügt eine weitere Ebene der Komplexität und Tiefe zu dieser Beziehung hinzu.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Schenk mir deinen goldnen Kamm; jeden Morgen soll dich mahnen, daß du mir die Haare küßtest. Schenk mir deinen seidnen Schwamm; jeden Abend will ich ahnen, wem du dich im Bade rüstest - oh, Maria!
- Apostrophe
- oh, Maria!
- Metapher
- Schenk mir deine schwerste Last
- Parallelismus
- Schenk mir deinen goldnen Kamm; jeden Morgen soll dich mahnen, daß du mir die Haare küßtest. Schenk mir deinen seidnen Schwamm; jeden Abend will ich ahnen, wem du dich im Bade rüstest - oh, Maria!
- Symbolik
- goldner Kamm, seidner Schwamm