Jerusalem
1934Gott baute aus Seinem Rückgrat: Palästina, aus einem einzigen Knochen: Jerusalem.
Ich wandele wie durch Mausoleen - versteint ist unsere Heilige Stadt. Es ruhen Steine in den Betten ihrer toten Seen statt Wasserseiden, die da spielten: kommen und vergehen.
Es starren Gründe hart den Wanderer an - und er versinkt in ihre starren Nächte. Ich habe Angst, die ich nicht überwältigen kann.
Wenn du doch kämest… im lichten Alpenmantel eingehüllt. und meines Tages Dämmerstunde nähmest - mein Arm umrahmte dich, ein hilfreich Heiligenbild.
Wie einst wenn ich im Dunkel meines Herzens litt - da deine Augen beide: blaue Wolken. Sie nahmen mich aus meinem Trübsinn mit.
Wenn du doch kämest - in das Land der Ahnen - du würdest wie ein Kindlein mich ermahnen: Jerusalem - erfahre Auferstehen!
Es grüßen uns des “Einzigen Gottes” lebendige Fahnen, grünende Hände, die des Lebens Odem säen.
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Interpretation
Das Gedicht "Jerusalem" von Else Lasker-Schüler ist ein tief empfundenes Werk, das die Sehnsucht und die spirituelle Verbundenheit der Dichterin mit der Heiligen Stadt zum Ausdruck bringt. Lasker-Schüler beschreibt Jerusalem als einen Ort, der aus einem einzigen Knochen Gottes geschaffen wurde, was seine Einzigartigkeit und Heiligkeit unterstreicht. Die Stadt wird als versteinert und mausoleumartig dargestellt, was auf eine Art von Starre und Verlust der Lebendigkeit hindeutet. Die toten Seen und die harten Gründe symbolisieren eine trostlose und unfruchtbare Landschaft, in der die Dichterin sich verloren und ängstlich fühlt. Die Dichterin sehnt sich nach der Ankunft einer Person, die ihr Trost und Hoffnung bringen soll. Diese Person wird als jemand beschrieben, der in einem "lichten Alpenmantel" gekleidet ist, was Reinheit und Erhabenheit symbolisiert. Die Erwähnung der "Dämmerstunde" und des "hilfreich Heiligenbilds" deutet auf eine spirituelle Erleuchtung und Schutz hin. Die blauen Wolgen der Augen dieser Person stehen für Trost und Erlösung aus dem Dunkel des Herzens der Dichterin. Abschließend ruft Lasker-Schüler Jerusalem dazu auf, "Auferstehen" zu erfahren, was eine Hoffnung auf Erneuerung und Wiederbelebung der Stadt und ihrer spirituellen Bedeutung ausdrückt. Die "lebendigen Fahnen" und "grünenden Hände" symbolisieren das Leben und den Atem Gottes, der in Jerusalem wiederkehren soll. Das Gedicht ist somit eine kraftvolle Bitte um spirituelle Erneuerung und die Wiederherstellung der Heiligkeit Jerusalems.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Apostrophe
- Wenn du doch kämest
- Bildlichkeit
- mein Arm umrahmte dich, ein hilfreich Heiligenbild
- Hyperbel
- Ich habe Angst, die ich nicht überwältigen kann.
- Metapher
- Jerusalem - erfahre Auferstehen!
- Personifikation
- Es starren Gründe hart den Wanderer an
- Symbolik
- des 'Einzigen Gottes' lebendige Fahnen, grünende Hände, die des Lebens Odem säen
- Vergleich
- Es ruhen Steine in den Betten ihrer toten Seen statt Wasserseiden, die da spielten: kommen und vergehen.