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Jeden Abend werfe ich

Von

Jeden Abend werfe ich
eine Zukunft hinter mich,
die sich niemals mehr erhebt –
denn sie hat im Geist gelebt.
Neue Bilder werden, wachsen;
Welten drehn um neue Achsen,
werden, sterben, lieben, schaffen.
Die Vergangenheiten klaffen. —
Tobend, wirbelnd stürzt die Zeit
in die Gruft. — Das Leben schreit!

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Gedicht: Jeden Abend werfe ich von Erich Kurt Mühsam

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Jeden Abend werfe ich“ von Erich Mühsam ist eine kurze, aber eindringliche Reflexion über die Vergänglichkeit und den ständigen Wandel des Lebens. Es behandelt die Themen Zeit, Erinnerung und die Unaufhaltsamkeit des Fortschreitens. Die Kürze und die einfachen Worte verleihen dem Gedicht eine gewisse Direktheit und Unmittelbarkeit, die den Leser sofort ansprechen.

Das zentrale Bild des Gedichts ist das „Werfen“ der Zukunft „hinter mich“. Dies deutet auf einen ständigen Abschied, eine kontinuierliche Entwertung des Vergangenen hin. Die Zukunft, die im Geist gelebt und somit bereits erlebt wurde, erhebt sich nicht mehr, sie hat ihren Wert verloren. Dieser Verlust, der Abschied von etwas, das einmal als Zukunft gedacht wurde, wird durch die folgenden Zeilen unterstrichen, die den unaufhaltsamen Kreislauf von Werden, Sterben, Lieben und Schaffen beschreiben. Die „neuen Bilder“ stehen für die ständige Erneuerung und Veränderung, der sich das Leben unterwirft.

Die zweite Strophe verstärkt den Eindruck der Zerstörung und des Chaos. „Die Vergangenheiten klaffen“ deutet auf eine tiefe Kluft zwischen der Gegenwart und dem, was war, hin. Die Zeit, personifiziert als „tobend, wirbelnd“, stürzt in eine „Gruft“, ein Bild des Todes und der endgültigen Zerstörung. Das „Schreien“ des Lebens am Ende des Gedichts kann als Reaktion auf diese Zerstörung verstanden werden, als Ausdruck von Angst, Schmerz oder vielleicht auch als trotziger Aufschrei angesichts des unausweichlichen Schicksals.

Mühsams Gedicht ist eine Auseinandersetzung mit der menschlichen Erfahrung der Zeit. Es vermittelt ein Gefühl von Verlust, aber auch von Lebendigkeit. Die konstante Erneuerung des Lebens, die in den „neuen Bildern“ und den „neuen Achsen“ zum Ausdruck kommt, steht dem Verlust des Vergangenen gegenüber. Die Kürze des Gedichts, zusammen mit der klaren Bildsprache und den einfachen Worten, ermöglicht es dem Leser, sich direkt mit dem Thema zu konfrontieren. Es ist ein Gedicht, das dazu einlädt, über die eigene Beziehung zur Zeit und zum Leben nachzudenken.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.